LE-E/H-RRAUM HEILIGENGEISTFELD ...?...!
Zur Geschichte des Heiligengeistfeldes
von Ingolf Goritz
"Es ist ein großer, in der Laienwelt noch gar nicht überall überwundener Irrtum, daß Bebauungspläne hauptsächlich dafür da sind, um dem Bauen klare Bahn zu schaffen. Sie dienen in Wahrheit dazu, um den Boden in einer für Menschenhäufung geeigneten Weise zu verteilen und dabei spielt die Freifläche in vieler Beziehung eine größere Rolle als die Baufläche." (1)

0. Einleitung
Aus aktuellem Anlaß habe ich seit Beginn des Jahres 1998 aus unterschiedlichen Quellen Informationen zum Heiligengeistfeld und seiner Geschichte und Umgebung zusammengetragen.

Allgemein bekannt - jedenfalls "auf den ersten Blick" - sind Lage und Grenzen des Heiligengeistfeldes im Stadtteil St. Pauli:

Die nördliche Begrenzung bilden heute die Feldstraße bzw. teilweise die U-Bahn-Station Feldstraße, der Bunker ("Hochhaus 1") zusammen mit der Tankstelle und das sog. "Feldeck" an der Ecke Feldstraße/Glacischaussee, das in einigen Karten und Dokumenten nicht als Teil des Heiligengeistfeldes betrachtet wird. Die östliche Begrenzung bildet die Glacischaussee. Die südlichen und westlichen Grenzen werden von der Budapester Straße, dem Grundstück der Telekom, dem Grundstück des FC St. Pauli bzw. des Stadions und wiederum durch die U-Bahn-Station Feldstraße gebildet. Die (unbebaute) Gesamtfläche beträgt heute ca. 27 ha (nach anderen Angaben jedoch nur 200.000 m2).

Ursprünglich hatte das Heiligengeistfeld jedoch ein Mehrfaches an Ausdehnung im Vergleich zur heutigen, weitgehend unbegrünten, Freifläche. Es erstreckte sich vom 13. Jahrhundert bis zur Errichtung der neuen Wallanlagen im 30jährigen Krieg über den jetzigen Sievekings- und Johannes-Brahms-Platz bis jenseits der Straßen Kohlhöfen und Poolstraße in der heutigen Neustadt, verkleinerte sich aber auch schon in dieser Zeit allmählich durch Bebauung, Verkauf und Verpachtung. Den Verlauf der Ereignisse möchte ich im folgenden genauer darstellen:

1. Zur "Vorgeschichte":
Das Mittelalter und das Hospital zum Heiligen Geist
Das bis heute unbebaute Gebiet des Heiligengeistfeld geht überwiegend auf Testamente und Stiftungen bzw. Erwerbungen des Heiligengeistklosters zurück. Nach einer anderen Einrichtung dieses Klosters ist die Heiligengeistbrücke in der Neustadt (seit 1885) benannt, nämlich nach dem Hospital zum Heiligen Geist. Das alte Hospitalgebäude befand sich vom 13. Jahrhundert bis zu seinem Abbruch im Jahre 1832 an einer Ecke des Rödingsmarktes, dort wurde nach seinem Abbruch auch der erste Neubau errichtet (Hanke, 1997). Das neue Hospital wurde bald darauf nochmals verlegt, nämlich im Jahre 1883 an die Eilbeker Richardstrasse (Beckershaus, 1997: S. ...).

Seit dem Spätmittelalter existierten mehrere bedeutende geistliche Einrichtungen in Hamburg. Dazu gehörte u.a. ein Zisterzienserinnen-Klosters, dessen Gründung in der Gegend zwischen dem Eichholz und der heutigen St. Pauli-Kirche im Jahre 1246/47 auf die Gräfin Heilwig [in anderen Quellen: Hedwig] von Schauenburg zurückgeht. Bereits 1250 kaufte dieses Kloster einige Äcker in der Umgebung und erhielt in der folgenden Zeit auch zahlreiche Schenkun-gen. Bei Möller (in: Möller / Dutz, 1977: 23) heißt es dazu:

"Einen gewissen Abschluß der Gründungsgeschichte stellt die Urkunde des Jahres 1246 dar, in der das Kloster zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird, aber nicht nur das Kloster, son-dern auch das [erste] Millerntor, das im Zusammenhang mit dem Hospital zum Heiligen Geist wichtig ist. In diesem Jahr übertragen die Grafen Johann und Gerhard von Holstein, die Söhne und Nachfolger Adolfs IV., 'weil sie an den Nutzen der Stadt Hamburg denken', den Hamburger Bürgern 'in aucmentum et munitionem civitatis', d.h. zur Vergrößerung und Befe-stigung der Stadt, das Wasser, das sich vom Kirchhof der Minderbrüder (d.i. der Franziskaner) bis zu dem Tor, das Milderdor genannt wird, erstreckt, so daß sie über dieses Gebiet wie über die anderen Teile der neuen Stadt freies Verfügungsrecht haben. ... Diese 'Wasserschenkung' ist für uns heute ein wichti-ges Zeugnis für die Existenz des Klosters mit einem eigenen Ge-bäude mit einem Kirch-hof, für die Existenz des ersten Millerntors, aber auch für die Existenz einer beachtlichen Wasserfläche zwischen dem Kirchhof (heute Adolfsplatz) und dem Millern-tor (heute etwas östlich der Kreuzung mit dem Rödingsmarkt im Zuge des Burstah)."

Im Jahre 1293 [an anderer Stelle wird auch 1295 genannt] beschloß der Orden dann jedoch, den Hauptsitz des Klosters zu verlegen und erwarb das Dorf Odersfelde an der Alster, ließ dieses niederlegen und an seiner Stelle neue Klostergebäude errichten. Dieses Nonnen-kloster in nördlichen Herwardeshude (d.i. das heutige Harvestehude; siehe: Wichmann, 1879: 4) wurde später - bei einer Klosterreform Ende des 16. Jahrhunderts - organisatorisch mit dem St. Johannis-Kloster, das bis zu seinem Abbruch 1837-41 seinen Sitz an der Kleinen Alster nahe ihrer Einmündung in die Binnenalster hatte, vereinigt. Durch zwei das Zisterzienserinnen-Kloster betreffende Unglücke im Jahre 1308, nämlich das vollständige Niederbrennen seiner Wassermühle und kurz darauf eines Großteils der Klostergebäude, bot sich dem Hamburger Senat die günstige Gelegenheit zu einem vorteilhaften Gebietstausch, da das Kloster in finanzielle Bedrängnis geraten war. Durch einen Vertrag aus dem Jahre 1310 fielen die Flächen östlich der "Herwardeshuderbecke" (später: Pepermöhlenbek) an Hamburg und das Kloster wird verpflichtet, seine Hauptgebäude näher an der Stadt (im Gebiet der heutigen Straße Jungfrauenthal) zu errichten. Die westlich des Baches gelege-nen Flächen werden von einigen Wirtschaftsgebäuden nahe der Bachmündung aus bewirtschaftet. (Dieses Gelände am heutigen Pinnasberg geht erst im Jahre 1832 in den Besitz der Stadt über.)

In Odersfelde blieb ebenfalls ein Klosterhof erhalten. Auf einigen der zu diesem Landbesitz gehörenden Flächen im Stadtteil Poppenbüttel wurde nach dem 2. Weltkrieg die heutige Seniorenwohnanlage "Hospital zum Heiligen Geist und Maria-Magdalenen-Kloster" errichtet. Dort fand auch das Gast- und Krankenhaus nach 1951 seinen neuen Platz.

Daneben bestanden im Mittelalter das bereits erwähnte Hospital zum Heiligen Geist und ein Dominikaner-Kloster sowie das Spital St.Georg nordöstlich der Altstadt. Neben dem Hauptsitz des Heilig-Geist-Hospitals existierte vor dem alten Millerntor, das wahrscheinlich unmittelbar an die Nordwestecke der Heilig-Geist-Kirche anschloß (siehe dazu auch den Grundriß des Hospitals zum Heiligen Geist bei Gaedechens), am Graskeller als Teil des Spitals ein Gasthaus, das "domus hospitum Sti. Spiritus" (erstmalig erwähnt in Urkunden von 1315 und 1316), das arme Pilger und andere kranke Reisende aufnehmen sollte und in gewissem Umfange sicher auch die Aufgabe eines Obdachlosenasyls übernommen hat. Der Betrieb dieser Ein-richtung lag nicht in den Händen von Mönchen, sondern einer Brüderschaft (vgl. dazu die Satzungen des Heilig-Geist-Hospitale in Hamburg und Lübeck) unter Leitung eines Vorstehers aus der Hamburger "Erbgesessenen Bürgerschaft". Dies ist wohl auch ein Grund dafür, daß das Eigentum des Hospitals nicht bei der Säkularisierung zahlreicher Besitzungen der katholischen Kirche während der Reformation vollständig enteignet wurde.

Die Geschichte der Hospitäler zum Heiligen Geist läßt sich in Europa bis ins 8. Jahrhundert zurückverfolgen. Reincke schreibt dazu:

"S.Spirito in Sassia ist schon im 8. Jahrhundert als Hospiz der Angelsachsen in Rom gestiftet worden. Innozenz III. [1198-1216] hat den Brüdern des Spitalordens vom Heiligengeist dann eine feste Ordensregel verliehen, die bei verwandten Gründungen weithin als Vorbild gedient und auch für das Hamburger Spital zum Heiligen Geiste Beachtung gefunden hat." (Reincke, 1917: 126. Zitiert nach: Boedecker, 1977: 64 / 110)

Die Hospitäler zum Heiligen Geist verdanken den Kreuzzügen ihre Entstehung; die immer häufiger werdenden Wallfahrten nach dem Heiligen Grabe hatten den Anlaß zur Anlage von Pilgerhäusern, den sogenannten Elendenhäusern, gegeben, um kranke und mittellose Kreuzpilger und später auch andere Reisende aufzunehmen und zu verpflegen. Nach Gaedechens lag das Hospital zum Heiligen Geist gewöhnlich nahe bei einem Stadttor und war in der Regel mit einem Gasthaus zur Beherbergung armer und kranker Reisender verbunden. Ansteckende, aussätzige Kranke wurden jedoch nicht aufgenommen, sondern dem St.Georgs-Hospital zugewiesen (Boedecker, 1977: 64. Nach Gaedechens, 1888: 343).

Der Unterhalt des Spitals und auch dieses Gasthauses wurde zum einem nicht unwesent-lichen Teil aus den E rträgen der Bewirtschaftung und der Verpachtung der Klosterländereien gedeckt. Seit seiner Gründung war dem Hospital in solchem Maße Vermögen durch Stiftungen von Grundbesitz und Renten und aus Vermächtnissen und Schenkungen zugeflossen, daß es sich im Besitz erheblicher Ländereien befand, denn ein Gutteil des Vermögens wurde durch Grunderwerb sicher angelegt. Ein Teil der Stiftungen erfolgte zudem ohnehin in der Form von Grundbesitz. So heißt es bei Baasch zu der Stiftung des Bürgers Elerus Steding an das Hospital im 14. Jahrhundert:

"Da diese [Stiftung] von Steding an das Hospital [lt. Liber de hortis venditis de anno 1310 ff, fol. 12] nach den Worten dieser Aufzeichnung recht umfangreich gewesen zu sein scheinen, so wird man sich wohl der ... Ansicht anschließen dürfen, daß nämlich in dieser Schenkung des Steding vielleicht die bisher noch nicht genügend aufgeklärte Provinienz des ausgedehn-ten Besitzes des Hospitals vor dem Millernthor, des heil. Geistfeldes und des Theils der Neustadt bis zu den Kohlhöfen und der Schlachterstraße, zu suchen sei." (Baasch, 1888: 265-266)(2)

Besonders interessant waren für das Hospital, das ja am westlichen Stadtrand lag, tatsächlich die Ackerflächen und Gärten vor dem, am Rödingsmarkt gelegenen, alten Millerntor, in erster Linie, um eigene Landwirtschaft zur Versorgung der Insassen zu betreiben. Daher kaufte man im Laufe von 200 Jahren zu den Schenkungen nahezu das gesamte Gebiet vom Graskeller bis zum heutigen Neuen Pferdemarkt hinzu, das ursprünglich dem Erzbischof von Bremen gehörte, der dort einen Herrenhof mit vier abhängigen Bauernhöfen besessen hatte. Dieser Hof trug den Namen Borstel. Die Geschichte der Siedlung "Borstel vor der Stadt" hat erstmals ausführlicher H. Reincke untersucht (Reincke, 1949; in ZHG, Bd. 40, S. 1-25). Die Eigentumsverhältnisse im hohen und späten Mittelalter werden von ihm wie folgt beschrieben:

"Zu den in den Bremer Registern ... gepriesenen erzbischöflichen Besitzungen nördlich der Elbe tritt nunmehr auch Borstel bei Hamburg, ein Herrenhof mit vier gelegentlich als Halb-hufen bezeichneten, also bescheideneren abhängigen Hufen, als eine Gründung aus der Zeit der Ottonen und Salier (10. oder 11. Jahrhundert). Die Siedlung umfaßte die ganze heutige Neustadt mit Ausnahme des schmalen Marschstreifens im Süden und des Eichholzes im Südwesten, ferner die Wallanlagen nördlich des Millerntordammes, das Heiligengeistfeld und ein Stück des Stadtteils St. Pauli-Nord. ... Das Ackerland oder 'Borsteler Feld' nahm anschei-nend hauptsächlich die hohe Geest im Nordwesten des Gebietes ein; die beiden alten Straßenzüge nach Rellingen: Michaelisstraße - Mühlenstraße - Eimsbüttelerstraße einerseits, Kohlhöfen - Feldstraße - Neuer Kamp mögen dieses älteste Kulturland umschließen. ...

Die Siedlung wurde 1258 in das städtische Weichbild eingeschloßen." (Reincke, 1949: 21-22)

In seiner Darstellung schreibt er einleitend über die Grenzen und Ausdehnung der Siedlung, die im 14. Jhdt. als Rughesche Hufe, später - im 16. Jhdt. - als Cord van Winthem'sche Halbhufe in den Dokumenten geführt wird:

"Im Norden wird die Grenze der Hufe und damit Borstels durch den Melkeberg bezeichnet. Dieser wird bis in's 17. Jahrhundert oft erwähnt, auf ihm wurde 1599 die Ölmühle angelegt, die den Platz des heutigen Baublocks Markt-, Glashütten-, Kamp-(3), Karolinenstraße ein-nahm." (Reincke, 1949: 10)

Als Quelle dafür diente Reincke ein Dokument im Kämmereikontraktenbuch A, fol. 159, mit dem Titel.: "Vereinbarung mit Wilm Adrian van Holten van wegen einer Oliemolen, de dath gemene gudt eme schal bouwen laten op dem Melkeberge". Zusätzlich führt er aus dem Buch B, fol. 5, eine vertragliche Vereinbarung mit einigen Bäckern über "Schweinekoven ausgewie-sen up dem Melkeberge achter Jost Monckhusen have" (4) an. Weiter heißt es bei Reincke: "Hier war bis zum Eimsbütteler Felde hin alles noch reines Weideland. Mitten in der Neustadt lag also auch das Borsteler Feld, und es erstreckte sich, wie wir ebenfalls [aus den Quellen] erfahren, heran bis an das Eichholz, das zu jener Zeit den ganzen Geestrücken westlich und südlich des Schaarmarktes und des Hohlen Weges, der Mühlenstraße, des Millerntordamms und der Eimsbüttelerstraße bedeckte." (Reincke, 1949: 10)

Dieser Besitz gelangte, aufgeteilt in Parzellen oder größere Landstücke, in den Besitz von Hamburger Bürgern und vor allem des Hospitals zum Heiligen Geist (Möller / Dutz, 1977: 77/78). Die Haupterwerbungen geschahen zwischen 1300 und 1350. Aber auch danach wer-den im Gartengrundbuch der Stadt Grundstücke als "außerhalb des Millerntors bei den Gärten des Heiligen Geistes" oder "bei den Feldern des Heiligen Geistes" belegen bezeichnet, denn das Hospital ist hier inzwischen der größte Grundeigentümer. Hierzu findet sich bei Reincke die folgende Bemerkung:

"Vor allem aber bemühte sich das Hospital zum Heiligen Geist, ... , mit Erfolg um Acker- und Weideland zur Bestreitung des Unterhalts für seine Gäste und Kranken und erwarb durch Kauf wie durch letztwillige Verfügung schließlich 3 der 4 Hufen und zahlreiche Gartenstücke" (Reincke, 1949: 22) Schließlich verschwindet der alte Flurname Borstel ganz und wird durch den Namen "Heiligengeistfeld" (oder auch : Heiligen-Geist-Kamp, bzw. gelegentlich: Schäf[f]er Kamp) ersetzt. Dazu schreibt wiederum Reincke:

"Mit dem Untergang des erzbischöflichen Hofes und der selbständigen Hufen, ... , gerieten auch die Bezeichnungen 'Borstel' und 'Borsteler Feld' langsam in Vergessenheit. Man sprach vom 'Feld' schlechthin oder vom 'Heiligengeistfeld' (campus Sti. Spiritus), auch vom Heiligengeistacker (ager hospitalis Sti. Spiritus) oder - im Reformationszeitalter - vom Armutsacker.

Dabei darf man nicht an eine mehr oder minder ungepflegte Grasfläche oder einen Anger denken. So wird z.B. in einem Einkünfteverzeichnis des Hospitals vom Jahre 1600 erwähnt, das Heiligengeistfeld, soweit es nicht gegen Garten- oder Ackerhauer ausgetan, sondern im Eigenbetrieb verblieben sei, umfasse nicht weniger als 72 Stücke Landes." (Reincke, 1949: 23)

Letzteres verweist auch darauf, daß ein Großteil der Erlöse aus der Nutzung und Verpachtung der Flächen der sog. "Armut", d.h., der Armenfürsorge und anderen mildtätigen Einrichtungen zugute kam.

2. Die frühe Neuzeit bis zum Ende des 30jährigen Krieges
Dieser Name "Heiligengeistfeld" taucht urkundlich erstmals 1497 als Bezeichnung für das zu den zahlreichen Ländereien des Hospitals gehörende Gebiet zwischen Hamburg, Altona und Eimsbüttel auf (Beckershaus, 1997: __. Nach Neddermeyer, 1832: 36). Die Felder und Flur-stücke des Hospitals waren vermischt mit Kohlhöfen und Gärten von Hamburger Bürgern, die durch kreuz und quer geführte Wege zugänglich gemacht wurden. Das Hospital konnte zudem nicht das gesamte Land selbst bewirtschaften, sondern verpachtete es gelegentlich, u.a. an die Stadt als Weide für die Stadtbullen (s. Kämmereirechnungen für die "pascua taurorum" in: Koppmann, 1870: 53, 144, 306 ff.) sowie an einzelne Bürger als Weide oder zum Anbau von Korn oder anderen Feldfrüchten. Allmählich gingen zahlreiche kleinere Parzellen und gemietete Gärten - insbesondere vor dem alten Millerntor - in das Eigentum der Garten-besitzer über und das Hospital verlor zwischen dem Ende des 16. und dem Beginn des 17. Jahrhunderts seine Eigentumsrechte schließlich fast vollständig, d.h. die Plätze wurden in dieser Zeit als Privatbesitz in das Stadterbebuch eingetragen. Begonnen hatte diese Entwick-lung bereits im späten Mittelalter. Dazu heißt es bei Reincke:

"Zahlreiche Hamburger strebten nach Gartenland vor dem Millerntor und erhielten solches von dem Erzbischof aus seinem Hofland zu freier Erbleihe oder gegen die geringfügige Abgabe eines Kreuzpfennings [sic!] zugewiesen." (Reincke, 1949: 22)

Die weitere Zerteilung und die zunehmende Bebauung dieser Plätze in der heutigen Neustadt beschleunigten das Erlöschen der Erinnerung daran, daß der Boden einstmaliges Eigentum des Hospitals gewesen war. Die Reformation trug ebenfalls ihren Teil dazu bei, da der geistliche Landbesitz nun der städtischen Hoheit unterstellt wurde, so daß Hamburg durch diese Landerwerbungen den Raum gewann, der die spätere Ausdehnung der Stadt ermöglichte (Witt, 1954: 27).

Weiter außerhalb der Neustadt wurden während der Pestepedemie, die Hamburg ab 1564 heimsuchte, zwei Friedhöfe für die Pestopfer angelegt, der eine nahe beim Eichholz und ein zweiter in der Gegend zwischen der heutigen Straße Valentinskamp (benannt nach dem früheren Grundeigentümer Cord van Winthem) und dem Heiligengeistfeld. Dazu schreibt Neddermeyer, seinerseits Wortmann (1809) zitierend:

"Gegen Norden in der Nähe des Milchberges (Gegend von der Poolstraße bis zum Kamp), lag der eine, später Marcus-Kirchhof genannt; gegen Süden, nahe dem Eichholz, der andere (Wortmann, S. 102)." (Neddermeyer, 1832: 42)

Im Jahr 1606 wird außerhalb der sich ausdehnenden Bebauung auf einer Fläche im südwest-lichen Teil des Gebietes und nördlich der Wohngebiete der "Vorstadt Hamburgerberg" (wie St. Pauli damals hieß) der neue "Pesthof" (später: Kranken-Hof) errichtet (der alte hatte zwischen Millerntor und Hafentor am Eichholz gelegen). Er befand sich nördlich der heutigen Gebäude des ehemaligen Israelitischen Krankenhauses und diente als Krankenhaus für chronisch Kranke und als Quarantänestation. Der gesamte Besitz des Hospitals vor dem Millerntor umfaßte um 1600 insgesamt 72 Stücke Landes (Reincke, 1949: 3). Nur ein kleiner Teil nahe der alten Stadt war gegen "Grundhauer" abgegeben. Im einem Inventar von 1620 (Commerzbibliothek, MS: S 884) heißt es: "Weil nun das Land mehrenteils mit der neuen Festung begraben ist, das Land auch, so außer der Festung bleibt, zu gemeinen Weide wohl möchte gelassen werden, so haben die Vorsteher mit dem Ehrbaren Rate zu handeln, was die Armut [i.e. die Armenkasse] entweder jährlich oder eins vor alle vor Erstattung davor haben sollen."

Hier wird darauf Bezug genommen, daß die Ländereien des Hospitals durch die mit dem Bau der Wallanlagen (ab 1609) einhergehende Überbauung mit Wällen, Vorwerken und Stadtgräben und die Rodung des Baumbestandes im Vorfeld (Glacis) eine erhebliche Nutzungs- und Wertminderung erfahren hatten und durch deren Vollendung ab 1626 vollständig geteilt waren: ein Teil nordwestlich des Rödingsmarktes lag innerhalb des Walls, der größere jedoch westlich und nördlich des Millerntores außerhalb. Daher beschäftigte das Hospital für dieses Gebiet auch einen Bauknecht und einen Schäfer, wie aus Abrechnungen des 17. Jahrhundert in der Commerzbibliothek hervorgeht (Manuskript S 884: "Bestallungen, Contracten ..."). Die Schäferei wurde um 1600 an der Ecke der heutigen Feldstraße und Glashüttenstraße ange-legt. Das genaue Jahr ist unterschiedlich überliefert: Selbst Gaedechens (1880, S. 109) nennt einmal das Jahr 1590, ein andermal 1609 (S.149). Dieser Bau bestand bis mindestens 1633, während die Nutzung als Schafweide sogar noch bis in's späte 19. Jahrhundert weitergeführt wurde. Aus dieser Zeit gibt es schließlich noch eine Anekdote zu berichten, bei der einem Schaf eine wichtige Rolle zukommt: 1786 wird von einem Ballonfahrer ein Schaf als Ver-suchstier an einem Fallschirm aus einer "Montgolfiere" über dem Heiligengeistfeld abgewor-fen, landet sanft und fängt sofort an zu grasen (Kürschner-Pelkmann, 1994; Abb. bei Neumann, 1994).

Neben dem Weideland gab es nach wie vor auch Äcker auf dem Heiligengeistfeld, die von Barmbeker Bauern - als Pächtern des Heiliggeist-Hospitals - jährlich gepflügt werden mußten, was wegen der - zu damaligen Zeiten - langen und beschwerlichen Anreise immer wieder zu Auseinandersetzungen führte, so daß die Bauern um 1600 gegen eine jährliche Abgabe (das sog. "Plögelgeld" = Pflügegeld) von dieser Pflicht befreit wurden (Bolland, 1953: 52). Im Jahre 1622 schließlich kam ein Kontrakt zustande, in dem das Hospital alles Land außerhalb des Millerntores, "Heiligengeistkamp" genannt, dem Rat überließ und dafür Grundbesitz in Horn erhielt, der in Form zweier Pachthöfe bewirtschaftet wurde. Dieses Dokument befindet sich im Urkundenbestand des Staatsarchives (StA/FHH, Threse I, Lit. Zz 37) und umfaßt das "Original und beglaubigte Abschrift (5) des Vergleichs zwischen den Oberalten als Vorstehern des Hospitals zum Heil. Geiste, und den Verordneten der Cämmerey, worin Erstere dem gemeinen Gut alle Ländereien des Hospitals [oder auch: die ehemaligen Hospitalländereien] vor dem [alten] Millerntor (den s.g. Heil. Geist Kamp) abtreten, und letztere dagegen den vormal. Soltauschen Hof in Horn, eine jährliche Rente von 1500 Mark Courant und 24 Wispel Roggen, sowie einen Platz zwischen der alten und neuen Festung dem Hospital überweisen und zusichern."

Die endgültige Ablösung der in diesem Kontrakt genannten Kornrente erfolgte durch Ankauf seitens der Staats-Schuldenverwaltung am 21 Juli 1881 mit dem Vermerk "zur Amortisierung angekauft vom Hospital zum Heiligem Geist".

3. Die Nutzung als Viehweide (seit Mitte des 17. Jhdts.)
Die vor dem Wall liegende Fläche wurde vom Rat im Jahre 1711 gegen eine jährliche Pacht an die "Knochenhauer zum neuen Schrangen" (d.h. die Zunft der Schlachter) verpachtet. Sie sollten dieses Gebiet "für immerwährend" als Viehweide nutzen (Gaedechens, 1880: 180). Diese dauerhafte Verpachtung diente nicht zuletzt dazu, die "Oberalten" (d.h. die Vorsteher der Hamburger Kirchspiele) von der hoheitlichen Verwaltung des erheblichen Landbesitzes zu entlasten und ihnen zugleich weitere Einkünfte und mehr Zeit für die Betreuung der Armen-fürsorge zu verschaffen. Zu den jährlich fälligen Abgaben gehörten auch vier Ochsen, die von den Schlachtern "gegen Martini" abzuliefern waren, um sie zu Rauch- und Pökelfleisch für die Wintervorräte des Hospitals zu verarbeiten und am ersten Sonntag nach dem "Ochsenschlachten" eine "Festmahlzeit" mit Fleisch in Schwarz-sauer abzuhalten.

Auf einer bald nach Abschluß des Pachtvertrages angefertigten "Graentz-Carte" aus dem Jahre 1737 (StA/FHH-PK 134-1: 173.71) bildet das erste Stück des "Fuhrweg[es] nach Pinneberg" die südwestliche und westliche Begrenzung des Heiligengeistfeldes. An seiner anderen Seite liegen der "Pest-Hof, Weide, Garten und Kirchhoff", während sich nördlich des Feldes das "Caemmereij-Land" und jenseits davon (d.h. östlich des "Fuhrweges") das "St.Johannes- Kloster-Land" anschließen. Zwischen diesem und dem "Fuhrweg" befindet sich der "Rosen-Hoff", der laut Karte zu dieser Zeit einige Landflächen vom St.Johannes-Kloster "verhäuret" hat.

Wenige Jahre später ist auf den anläßlich des "Graentz-Vergleiches de dato Altona, den 17. November 1740" angefertigten Karten der Gebietsgrenzen zwischen Hamburg und Altona das "Heyligen Geist Feldt" (auf dem Exemplar aus dem Altonaer Stadtarchiv) bzw. der "Schäfer-Camp" (auf dem damaligen Hamburgischen Exemplar) bezeichnet. Nur wenig westlich davon - jenseits des Pesthofes bzw. einiger Wiesen- und Ackergrundstücke verlief die durch Grenzsteine bezeichnete Grenze nach Altona. Der Grenzstein No. 7 ("G") befand sich ungefähr an der heutigen Straßenecke Wohlwillstr./Thadenstraße (damals: Ecke "Gärtner-Straße"/"Bey dem Grünen Jäger oder Bremer Bier" in Altona), der Grenzstein No. 8 ("H") am nördlichen Ende der Straße "Bei dem Grünen Jäger ..." und der Stein Nr. 9 ("I") an einer Windung - vermutlich in etwa auf der Höhe des heutigen Gebäudes Schanzenstr. 41 - des Bachlaufes des "Pfeffermühlen Beeck", der von Norden her von der Isebek kommend neben der gleichnamigen Straße (der heutigen Schanzenstraße) verlief.

Auf einer weiteren, in der Plankammer des Staatsarchivs befindlichen, Ausfertigung der "Gränz-Charte, worauf die Gräntz-Zeichen zwischen der Stadt Hamburg und Altona" (gestochen von G.C. Pingeling, Hamburg 1745) beschrieben werden und die sich ebenfalls auf den "Altonaischen Gräntz-Vergleich de dato 17. Nov. 1740" und den sog. "Executions-Recess de dato 11. Juni 1744" bezieht, findet sich die zusammenfassende Bezeichnung "Heiligen Geists Feldt oder Schäffer Camp". Auch hier - wie auf den vorgenannten Karten - ist jedoch jeweils nur der (nord)westliche Teil angedeutet, auf dem sich heute die als Supermarkt genutzte ehemalige Viehauktionshalle befindet.

Zur genaueren Feststellung der Größe verschiedener Flächen auf dem Hamburger Berg und darunter auch der des Heiligengeistfeldes erfolgte im Jahre 1754 die "Beauftragung des Feldmessers Olbers mit der Vermessung der zur Landherrenschaft Hamburger Berg gehörenden Felder und Wiesen" (StA/FHH: 411-2 / III 377). Der Verbleib der Vermessungsergebnisse war leider bisher nicht zu ermitteln. Bereits vor dem Abschluß des Kontraktes mit den "Knochenhauern" war das Heiligengeistfeld bekanntlich teilweise parzelliert und verpachtet ("verhäuret") gewesen, wie Dokumente, historische Karten und Topographien Hamburgs belegen. Die Erlöse aus der Verpachtung flossen, wie bereits erwähnt, vorwiegend in die Armen- und Altenfürsorge, der sowohl das Hospital zum Heiligen Geist wie auch das Maria-Magdalenen-Kloster unter der Leitung der Oberalten sich traditionell besonders verpflichtet fühlten.(6) In seiner Topographie beschreibt J.L. von Heß unter 14 das Heiligengeistfeld während der französischen Besatzung jedoch wieder als weitgehend brachliegende Freifläche:

"Dieses Feld bildet fast die Figur eines Dreiecks, und wird umgränzt von dem Wallgraben, der vorhin genannten Landstraße,(7) den Häusern bei der Oelmühle, bei der Glashütte und der Sternschanze. Weiter hin stehen die Häuser und Gärten beim Rosenhofe, und an der Eimsbüttler Grenze ist noch der Schäferkamp.

Das heil. Geist Feld, das, bei zweckmäßigem Gebrauch, einen guten Kornacker abgeben könnte, wird jetzt, wo es nicht mit Häusern besetzt ist, wenig genutzt; außer daß die Gilde der Schlächter, die es von der Kammer in Pacht hat, hier einiges Vieh weiden läßt. Auch steht auf dem Felde eine Windmühle." (Heß, 1811: 48-51)

Erst durch eine Änderung der Verwaltungsstruktur (1830 wird die 'Landherrenschaft Hamburger Berg' zu einer Vorstadt, die 1833 - in Anlehnung an St. Georg - dann den Namen 'St. Pauli'(8) erhält) kommt das Gebiet des Heiligengeistfeldes vollständig unter die Hoheit des Senates, bis auf weiteres vertreten durch den für die 'Vorstadt Hamburger Berg' bzw. 'St. Pauli' zuständigen Senator (= "Landherren"). Dieser verwaltete dieses Gebiet als Teil der "Landherrenschaft der Geestlande" (ab 14. Dezember 1830), die zwar zu Hamburg gehörte, jedoch durch ihre Lage außerhalb des Wallringes und die bis 1860/61 gültige Torsperre von der Hamburger Kernstadt zunächst weitgehend getrennt blieb. Auch für diese Trennung bildet die Freifläche des Heiligengeistfeld bis heute einen historischen Anhaltspunkt.

Ein weiterer Grund für die Erhaltung einer derartig großen Freifläche unmittelbar vor der west-lichen Grenze der Inneren Stadt ist "militärischer" Natur: Bis zur Demolierung des aus der Zeit des 30jährigen Krieges stammenden Hamburger Wallringes (gebaut unter der Leitung des niederländischen Militäringenieurs Johan van Valcken-burgh, 1609-1626) in den Jahren 1805-1811 gehörte das Heiligengeistfeld zum Glacis (d.h. zum von dauerhafter Bebauung frei zu haltenden Schußfeld) vor dem Wall. Als einzige große innerstäditische Freifläche neben der Moorweide ist diese "Brache" bis heute gut im Stadtbild erkennbar. Kurz vor der endgültigen Schleifung der Wälle standen die Befestigungsanlagen und ihr Vorland in der sog. "Franzosenzeit", d.h. während der napoleonischen Besetzung Hamburgs (1806-15), und besonders im Winter 1813/14 jedoch nochmals im Zentrum militärischer Auseinandersetzungen (die folgende Darstellung der französischen Besatzungszeit weitgehend nach: Bertram, 1921).

In dieser Zeit diente das Heiligengeistfeld z.B. im Jahre 1806 als Ort für die öffentliche Verbrennung englischer Handelswaren, die der französische Stadtkommandant Davout bei Hamburger Handelshäusern und Kaufleuten hatte beschlagnahmen lassen.(X17) Einige Jahre später war es im Jahre 1812 Schauplatz der Erschießung von sechs Aufständischen, die sich an den kurz vor der Ankunft der ersten russischen Truppen unter Führung des badischen Obersts Tettenborn am 17./18. März 1812 aufflammenden Unruhen beteiligt hatten. Nachdem dieser sich mit seinen lediglich 1500 Kavalleristen (überwiegend Kosaken und Kalmücken) jedoch wieder vor den zurückkehrenden französischen Truppen zurückziehen mußte, wurde das Besatzungsregime umso schärfer. Zu den nachfolgenden militärischen Maßnahmen gehörte zu Weihnachten 1813 auch die vollständige Zerstörung der Vorstädte Hamburgs, d.h. des "Hamburger Bergs" (St. Paulis) und St. Georgs, und die Vertreibung der Armen und Obdachlosen aus der Kernstadt innerhalb des Walls, um die bei einer möglichen Belagerung zu versorgende Bevölkerung zu vermindern.

Auch umfangreiche bauliche Maßnahmen zur Verstärkung des Walles und zur Sicherung des Vorlandes wurden durchgeführt. Dazu zählte im Winter 1813/14 u.a. die Errichtung einer zu-sätzlichen Schanze bei der Windmühle am nördlichen Rand des Heiligengeistfeldes.

Erst mit Hilfe der Hamburger Legion, befehligt vom Obristen Mettlerkamp, und einer weiteren Entsatztruppe des russischen Zaren unter Führung des Generals Bennigsen gelang im zweiten Anlauf am 1.6.1815 die endgültige Befreiung Hamburgs von der napoleonischen Besatzung. Nachdem Napoleon 1815 endgültig geschlagen worden war und wieder Frieden herrschte, ging man nun endgültig an die Schleifung der Wälle(X18) und bald auch an den Wiederaufbau der zerstörten Vorstädte. (X11) Eine Karte aus dem Jahre 1817 (StA/FHH-PK 134-1: 181.71) zeigt das Heiligengeistfeld als große Brache, die von einigen Fußwegen durchzogen ist und an die sich in östlicher Richtung zum Wallgraben hin ein ausgedehnter "Gassenkummerplatz" - eine Müllhalde also - anschloß.

Auf wenig später entstandenen Plänen (StA/FHH-PK 134-1: 181.91 bzw. 181.93) ist nördlich des Neuen Kampes, der das Heiligengeistfeldes nach Norden begrenzt, und östlich der heutigen Einmündung der Glashüttenstraße ein Mennoniten-Begräbnisplatz verzeichnet. Offenbar tolerierte man also in der Vorstadt zu dieser Zeit bereits wieder Einrichtungen "fremder", d.h. nicht ev.-lutherischer, Glaubensgemeinschaften, wie auch der jüdische Begräbnisplatz am Grindel beweist.

Im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der Stadt und der Vorstädte beschlossen Rat und Bürgerschaft am 18. April 1825, daß alle "Contributionen", die den kirchlichen Stiftungen von den Landdistrikten zu entrichten waren, vom 1. Januar 1826 an gänzlich aufhören und dagegen eine gleichmäßige staatliche Besteuerung des Grundeigentums und der Personen ein-geführt werden sollten (Lohmann, Rath- und Bürgerschlüsse, Bd. 2: 107). Am 23. November 1826 folgte der Beschluß, daß die landesobrigkeitlichen Rechte und Funktionen von den Verwaltungen der drei geistlichen Stifte in Hamburg (St.Johannes-Kloster, St.Georgs-Hospital und Heilig-Geist-Hospital) zu trennen seien.(X20) Dieser Beschluß mündete in die bereits erwähnte Übergabe der Landverwaltung für das gesamte Gebiet der 'Vorstadt Hamburger Berg' in die Zuständigkeit der Landherrenschaft am 14. Dezember 1830 (Lohmann, Rath- und Bürgerschlüsse, Bd. 3: 51 ff). Diese Landherrenschaft geht zurück auf die Verwaltung aller westlich der Stadt gelegenen Gebiete durch den "zweiten Mühlenherrn", d.h. einen Senator, der die Einnahmen insbesondere aus der Verpachtung und den Abgaben der Mühlen verwal-tet (siehe dazu: Gaedechens, 1879: 111-112).(X19)

Kurz danach berichtet F.H. Neddermeyer in seiner Topographie (1832) über das Gebiet des Heiligengeistfeldes:

"Das heilige Geistfeld, unter diesem Namen um 1497 erwähnt, erstreckte sich wahrscheinlich bis in die jetzige Neustädter Fuhlentwiete. ... Des Hospitals zum Heiligen Geist wird schon 1246 gedacht." (Neddermeyer, 1832: 36)

An anderer Stelle berichtet Neddermeyer über die Wege und Straßen:

"Vom [Millern-] Thore ab führt ein Weg 'Am heiligen Geistfelde' nach Eimsbüttel." (Neddermeyer, 1832: 344)

Es folgt eine Beschreibung der Nebenwege, die nach Südwesten und Westen in das südliche St. Pauli und in Richtung der Altonaer Stadtgrenze abzweigen. Auch auf die ehemaligen Befestigungsanlagen des Walles und seiner Vorwerke findet man bei ihm Hinweise:

"Ferner wurden 1500 Fuß vom Stadtgraben vor der Bastion Joachimus, auf dem heiligen Geistfelde ... Redouten aufgeführt." (Neddermeyer, 1832: 90)

Bei diesen "Redouten" handelt es sich um trapezförmige, allseits geschlossene Schanz-anlagen (in anderen Quellen auch als "Lünette" bezeichnet) zur Verteidigung des Vorfeldes der Wallanlagen. Sie nutzten die natürlichen Geländevorteile, denn die Fläche des Heiligen-geistfeldes war zu dieser Zeit noch uneben und lag am nördlichen Rand höher als im Südwesten und Süden, und bildeten mit der Sternschanze, die ihrerseits auf einem natürlichen Hügel (dem sog. "Heidberg von Heimichhude. Nach Bertram, 1921: 144.) errichtet worden war, zusammen ein zusätzliches Verteidigungssystem.

Möglicherweise wurde auf einer dieser Redouten die Windmühle am Nordrand des Heiligen-geistfeldes errichtet. Auf dem "Grundriss der Vorstadt von Hamburg St. Pauli" aus dem Jahre 1836 (StA/FHH-PK 134-1: 183.61.1 etc.) jedenfalls ist die Mühle als auf einer Erhöhung ste-hend eingetragen (siehe insbesondere das Exemplar mit Höhenlinien: StA/FHH-PK 134-1: 183.64.4). Die nördliche Begrenzung des Feldes bildet die Straße "Neuer Kamp", die jedoch zu dieser Zeit nur in ihrem westlichen und östlichen Abschnitt (heute: Feldstraße) befestigt war, während sie in der Mitte von Wiesen und Gärten unterbrochen wurde.

Schon bald nach der "Franzosenzeit" entwickelte sich westlich des Heiligengeistfeldes entlang der Landstraße vom (neuen) Millerntor nach Eimsbüttel ein zweiter Siedlungsschwerpunkt des Hamburger Bergs und wuchs bald mit dem Eimsbütteler Schanzenviertel zusammen, von dem er jedoch 1864 durch die neuangelegte Verbindungsbahn zwischen Altona und Hamburg wie-der getrennt wurde (Hipp, 1996: 253).

In dieser Zeit gab es möglicherweise auch Pläne zur vollständigen Aufteilung und Bebauung des Heiligengeistfeldes, denn eine Karte des Jahres 1844 ("Hoehenkarte der Vorstadt St. Pauli, ... . Mai/Juni 1844"), deren genaue Herkunft aus Hamburger Behördenbeständen leider nicht mehr aufzuklären war, zeigt die geplante Einteilung des Feldes in Planquadrate, die offenbar zur Bebauung vorgesehen waren. Die Blocks gruppieren sich um einen zentralen Platz nordwestlich des Zentrums der vollständig aufgeteilten Fläche. Die Straßenführung lehnt sich in ihrer Ausrichtung an Feldstraße und Glacischaussee an und umfaßt 4 nord-südliche (davon einer nicht durchgehend) und 3 ost-westlich verlaufende Straßenzüge. Bekanntlich ist diese Planung nicht weiter verfolgt worden. Gründe dafür ließen sich anhand des vorliegenden Materials nicht ermitteln, jedoch ist zu vermuten, daß nach dem Großen Brand von 1842 so dringender Wohnraumbedarf für die obdachlos gewordenen Altstadtbewohner bestand, daß man noch den eilends errichteten ersten "Hülfswohnungen"(9) auf St. Pauli ein dauerhafteres und größeres Wohnungsangebot schaffen wollte. Dies führte schon damals zu einem enormen Schub für die Grundstücksspekulation, von der auch das Stadtsäckel durch eine erhöhte Grundsteuer profitierte. Diese Erhöhung wurde von vielen Grundeigentümern auf St. Pauli allerdings als ungerechtfertigt empfunden und so wurde im Januar 1847 eine "Ergebenste Supplication abseiten der unterzeichneten Grundeigentümer der Vorstadt St. Pauli/An einen Hochedlen und Hochweisen Rath der freien Stadt Hamburg" geschickt. Darin findet sich u.a. die folgende interessante Passage:

"Die Nachtheile des großen Brandes für die Stadt selbst, den abgebrannten und nicht abgebrannten Teil derselben, liegen offen zu Tage; zu ihrer Ausgleichung ist alles Mögliche gethan, das ganze Gebiet des Staates ist zum Ersatz des Schadens angestrengt. Uns hat der Brand eigenthümliche Nachtheile gebracht, die wohl nur wir fühlen. Der Brand hat uns eine ganze große Classe von armen, zahlungsunfähigen Mietern zugeführt - den Überrest der Massen, die bei dem Mangel an Wohnungen in der Stadt, zuerst in die Vorstadt zogen, und als deren Vermächtnis wir anzusehen haben die Bauwuth, die unsere Vorstadt nach dem Brande ergriffen, bei unserm fast unbegränzten Gebiet doppelt gefährlich, und in Folge derselben die zahlreichen Neubauten, die den Bedarf weit übersteigen. Denn sobald der eingeäscherte Stadtteil wieder erstand, verließen uns diejenigen, die nur die dringende Noth des Augenblicks uns zugeführt hatte; die durch den Neubau in vermehrter Zahl entstandenen Wohnungen in der Stadt selbst, nahmen alle diejenigen wieder auf, deren Vermögensumstände das Miethen einer Stadtwohnung erlaubten; zurück blieb jene Classe von Miethern, an der St. Pauli jetzt so reich ist - die nur die allerkleinste Miethe zu bezahlen im Stande und auch diese nicht zu bezahlen gewohnt ist." (Hamburg, Januar 1847)

Auf revidierten Ausgaben des im Jahre 1844 entstandenen Planes aus dem Jahre 1845, die in mehreren Exemplaren (unter der Signaturengruppe StA/FHH-PK 134-1: 184.53.x) vorliegen, wiederholt sich die Einteilung des Heiligengeistfeldes in Straßen- bzw. Baublöcke später nicht mehr, zumal es ja zu dieser Zeit auch nach wie vor an die Knochenhauer-Innung zur Nutzung verpachtet war.

Im Verlauf der weiteren historischen Ereignisse bleiben die Kämpfe und der Barrikadenbau vor dem Millerntor im Jahr der bürgerlichen Märzrevolution des Jahres 1848 eigenartigerweise eine kurze Episode, denn sie wurden erstaunlicherweise eher halbherzig geführt (Engels, 1981: 93-115).

Im Jahre 1857 ging das Heiligengeistfeld durch Enteignung der Knochenhauer wieder voll-ständig in den Besitz der Stadt über, weil für die Anlage neuer Straßen (Feldstraße, 1862) und des städti-schen Schlachtviehmarktes (Eröffnung: 1. Mai 1864) Raum benötigt wurde (Gaedechens, 1880: 290). Aufschlußreich ist in diesem Zusammenhang das "Gesuch des Müllers Borg um Anlage einer Roßmühle ... auf dem Heiligengeistfeld", da ihm als Anlage ein beglaubigter Auszug aus den "Kontrakte(n) der Kämmerei mit der Brüderschaft der Knochenhauer im Neuen Schrangen über die Verpachtung des Heiligengeistfeldes" für die Zeit von 1711-1820 beigefügt ist (StA/FHH 411-2: I A 1876).

Das für den "Central-Schlachtviehmarkt" vorgesehene Gelände wird erstmalig auf dem "Grundriss des Kirchspiels St. Pauli ..." (StA/FHH-PK 134-1: 184.91) in der nordwestlichen Ecke des Feldes ausgewiesen. Auf dieser Karte finden sich auch bereits die meisten der heu-tigen Straßennamen, da in den 1840er-Jahren zahlreiche amtliche Benennungen durchgeführt wurden. So wurde in dieser Zeit auch der (längere) östliche Teil der Straße Neuer Kamp in "Feld-Strasse" umbenannt.

Zur Auflösung des Pachtvertrages mit der Knochenhauer-Innung (auch: "Schlachter-Brüder-schaft") findet man im Staatsarchiv im Bestand "Patronat St. Pauli (...)" (StA/FHH 411-2: II D 4974) und in den "Hamburgischen Rath- und Bürgerschlüssen vom Jahre 1857" (gedruckt bei Theodor Gottlieb Meißner. Hamburg, 1858) unter dem 30. März 1857 die Vorlage VIII. Anlage eines neuen Thors bei Pilatus-Pool u.w.d.a., (unter Expropriation des J.M. Schuldt'schen Grundstückes und Ablösung des der Schlachter-Brüderschaft zuständigen Nutzung des Heil. Geist-Feldes) sowie Bestimmung eines Platzes zur Infanterie-Caserne u.w.d.a.

In der Begründung dieser Vorlage ("Anlage, S.1-14") wird darauf hingewiesen, daß die Nutzung des Heiligengeistfeldes durch die "Schlachter-Brüderschaft am Neuen Schrangen" auf der Basis eines Kämmerei-Contractes vom 9. März 1711 erfolgte. Weiterhin ist dort folgende Begründung für die Ratsvorlage zu finden:

"Nachdem im Vorstehenden die neue Thor-Anlage und der Platz für die zu erbauende Infanterie-Caserne zum Gegenstande weiterer Erörterung gemacht und als wesentliches Motiv der neuen Thor-Anlage die fortschreitende Erweiterung der Vorstadt St.Pauli, und die Verkehrs-Erleichterung zwischen derselben und der Stadt hervorgehoben worden ist, so mußte das-selbe Motiv schließlich dahin führen, die Verhältnisse des Heiligen Geist-Feldes mit in den Kreis der Erwägungen und verfassungsmässiger Beschlußnahme zu ziehen.

Dieses Feld, dessen jetzige Größe nach einigen im Laufe der Zeiten vorgenommenen kleinen Veränderungen und Regulirungen, nach Maaßgabe des dem Kämmerei-Contracte angehefteten neuesten Grundrisses, mit Inbegriff sämmtlicher Fußwege und der Mühle, welche hier jedoch nicht mit in Betracht kommt, und ohne die Scheidegräben, 74 Scheffel 48 Quadratruthen beträgt, ist das Eigenthum der Stadt, und im Jahre 1711 der Brüderschaft der Knochenhauer im neuen Schrangen zu einer immerwährenden Grundhauer von 200 [Mark Courant] verhäuret worden. Diese Grundhauer ist in demselben Jahre, weil die Brüderschaft mit der Befriedigung die anfängliche Ausweisung überschritten hatten, auf 210 [Mark Courant] erhöht worden, seitdem aber unverändert verblieben. Nach Maaßgabe des desfälligen Kämmerei-Contractes vom 9. März 1711 hat die Verhäuerung jedoch unter der Bedingung statt gefunden, daß - um nämlich jeder der Festung nachteiligen Erhöhung vorzubeugen - das Feld weder jetzt noch inskünftige mit Getraide besät, sondern zu nichts als zur Schaafsweide oder Grasland benutzt werden dürfe. Wenn nun gleich das Motiv dieser Verhäuerung, wie solches auch anderweitig aus dem Contracte deutlich hervorgeht, lediglich in den derzeitigen Fortifications-Verhältnissen der Stadt, welche eine anderweitige Nutzung des Feldes aus-schlossen, zu suchen ist, so war dennoch, auch nachdem die Stadt aufgehört hatte, Festung zu sein, kein genügender Grund vorhanden, diesen Contract aufzuheben, so lange nicht wichtige öffentliche Zwecke die Ablösung der, der Schlachter-Brüderschaft im neuen Schran-gen zuständigen, contractlichen Nutzung des Feldes erheischten. Der Zeitpunkt f ür solche Ablösung muß aber jetzt als eingetreten gesehen werden. Ein Blick auf den Riß zeigt, daß das Feld zum größern Teil schon jetzt von dem vorstädtischen Anbau enclaviert, und daß es das gegebene Terrain für eine demnächstige Erweiterung der Vorstadt ist. In Folge der Thor-Anlage aber, wenn solche den durch dieselbe wesentlich beabsichtigten Zweck der Verkehrs-Erleichterung vollständig erfüllen soll, werden demnächst Verbindungswege über das Feld erforderlich werden, und wenn es auch jetzt nicht die Absicht sein kann, das Feld dem vorstädtischen Anbau im größeren Umfange zu überlassen, indem die Erhaltung eines größeren freien Platzes inmitten der Vorstadt in mancher Beziehung wünschenswert erscheint, so wird sich doch im Verlaufe der Zeiten der vorstädtische Anbau nach dieser, in den Local-Verhält-nissen einmal begründeten Richtung voraussichtlich weiter ausdehnen. Mit den öffentlichen Zwecken, welche die neue Thor-Anlage zur Notwendigkeit gemacht haben, und durch dieselbe gefördert werden sollen, muß das Fortbestehen einer Schaafsweide inmitten der Vorstadt ganz unerträglich erscheinen, und wird demnach diese, das Eigenthum der Stadt beschrän-kende Nutzung des Feldes gegen Entschädigung nunmehr aufzuheben sein.

Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, und zugleich von dem Wunsche beseelt, die Auf-hebung der bisherigen Verhältnisse im Wege einer freundlichen Verständigung mit der Schlachter-Brüderschaft herbeizuführen, hat der Senat durch eine, aus Seinseitigen und Deputirten Löblicher Kammer gemischte Commission Verhandlungen mit der Brüderschaft eröffnen lassen, die indessen zu dem erwünschten Resultate leider nicht geführt haben, so daß nunmehr nichts weiter übrig bleibt, als die Ablösung der, nach Maaßgabe Kämmerei-Contractes der Schlachter-Brüderschaft zuständigen Nutzung des Feldes, im Wege der Expropriation herbeizuführen, der Anwendung auf den vorliegenden Fall sich in Anbetracht derselben öffentlichen Rücksichten, welche die neue Thor-Anlage erforderlich machen, und da es sich hier überdieß nicht um Eigenthum, sondern um die Aufhebung contractlichen Nut-zungsrechtes handelt, vollständig rechtfertigt." (Anlage, S. 12-14)

Ein der Vorlage beigefügter Plan ("Revidirter Grundriß vom 6. März 1857 auf der Basis eines Grundrisses vom 10. April 1839") zeigt das Heiligengeistfeld und gibt die Größe wie folgt an:

"Inhalt = 74 Scheffel 48 q-Ruthen, den Scheffel zu 200 q-Ruthen Ö 256 q-Fuss gerechnet, ..."

Dieser Grundriß zeigt am nördlichen Rand u.a. an der östlichen Ecke Glashüttenstraße / Feldstraße auch den Platz der "Schäferei etc. der Knochenhauer", westlich davon an der anderen Seite der Glashüttenstraße (in Richtung nach "Bei der Oelmühle") enthält er den Eintrag eines "ehemal. Mennoniten-Kirchhofes" und nahe der heutigen Einmündung der Markt-straße in die Feldstraße das "Müllerhaus", das sich gegenüber der Mühle auf dem Heiligen-geistfeld befand. Am südwestlichen Rand des Feldes findet man außerdem noch eine "Polizei- und Nachtwache" und gegenüber die Einmündung der damaligen Sophien-Strasse sowie eine Station mit "Pumpen" gegenüber der Einmündung der damaligen Wilhelm-Strasse. Das Feld selbst ist von zahlreichen Fußwegen durchzogen, jedoch ansonsten unbebaut. Ein Teil der Flächen war offenbar an den Müller verpachtet und wurde nach Bertram noch bis in die 1880er-Jahre als Schafweide genutzt (Bertram, 1921: 168). Nach Aufhebung der Tor-sperre 1860/61 waren jedoch auch einige Wege bereits befestigt worden, insbesondere der Haupt-weg (sog. "Senatorweg") vom Holstentor zur damaligen Eimsbütteler Straße.

Über die weitere Nutzung der oben erwähnten Polizeiwache berichtet W. Melhop im Jahre 1895:

"Die alte Polizeiwache an der Eimsbütteler Straße auf dem Heiligen Geist Felde gegenüber der Sophienstraße, neben dem 1894 vom Holstenwall dorthin verlegten Wagenplatz ist dem Beleuchtungswesen als Aufenthaltsraum für den Districts-Controleur der Laternenwärter überlassen worden." (Melhop, 1895: S. 249) Der hier genannte Wagenplatz war bereits einige Jahrzehnte zuvor aus dem unmittelbaren Bereich vor dem Millerntor nach St. Pauli verlegt werden, denn auf dem "Situationsriss", der als "Anlage No. 2: Zum gemeinschaftlichen Bericht Hamburg und Altona, den 10. November 1858 gehörig" war (angefertigt von P.G. Heinrich und O. Winkler; StA/FHH-PK 134/1: 185.81), wird ein entsprechender Wagenplatz an der Ecke der damaligen Kieler Str./Sophienstr. aus-gewiesen.

In einem Schreiben des Archivrates am Staatsarchiv, Dr. Bolland, vom 23. November 1950 an das Bezirksliegenschaftsamt des Bezirkes Hamburg-Mitte heißt es zu den Eigentums- und Nutzungsverhältnissen des Heiligengeistfeldes seit dem 17. Jahrhundert wörtlich:

"Das Heiligengeistfeld ist also der Stadt niemals geschenkt worden und eine rechtliche Verpflichtung, es nicht zu bebauen, hat für die Stadt Hamburg niemals bestanden. Nur für die Knochenhauer kann zwischen 1711 und 1857 eine solche von der Stadt auf-erlegte Verpflichtung angenommen werden, da das Feld ausdrücklich zur Weide bestimmt war. Den noch unbebauten Rest des Feldes als Ausstellungsgelände oder Grünanlage vor weiterer Bebau-ung tunlichst zu schützen, haben allerdings Senat und Bürgerschaft wie auch Vereine in den letzten Jahrzehnten häufiger als wünschenswert bezeichnet."

Allerdings gibt es offenbar unterschiedliche Interpretationen der Quellen und Dokumente, denn bei Bertram (1921: 168, 169) findet sich folgende Darstellung:

"Noch bis in die 1880er Jahre weideten Schafe auf dem Heiligengeistfeld. Sie wurden nachts in Hürden getrieben und von einem Hunde und einem Schäfer bewacht, der in einem Karren nächtigte. Und einige Zeilen später:

"Das Heiligengeistfeld darf nicht bebaut werden. Eine Großstadt wie Hamburg bedarf solcher freien Plätze, nicht nur als Tummelplätze für die Jugend, sondern auch als 'Lungen' zur Reinhaltung der Luft."
- Dies galt offenbar zumindest noch im Jahre 1921.

Eine "Ansicht von der Stadt vom Heiligen-Geist-Felde aus", die ein unbekannter Künstler um 1830 angefertigt hat (s. Wendt, 1895/97, Bd. 2 - Ergänzungsband: S. 538) zeigt denn auch eine große Freifläche, eingefaßt von Alleen und überragt von der Mühle an der Feldstraße. Auf unbefestigten Wegen, die teilweise auch von Baumreihen gesäumt werden, überqueren verschiedene Personen das Feld oder gehen offenbar dort spazieren. Wie eine Beschwerde über "Öffentliche Fußwege ... und Behinderung ihrer Benutzung durch den Schäfer des Müller Borg" aus dem Jahre 1845 (StA/FHH 411-2: II A 4599) beweist, herrschte aber auch noch auf andere Weise ein reges Treiben auf dieser großen Freifläche unmittelbar vor den Grenzen der inneren Stadt.

Allerdings geschieht die Nutzung zunächst eher ungeregelt, denn bei Reincke findet sich für die Situation zu dieser Zeit folgende zusammenfassende Beschreibung:

"Im 19. Jahrhundert verwilderte das Feld mehr und mehr und diente als ungepflegter Grün-platz dem Militär als Übungsplatz und den Hamburger Jungs im Herbst, um dort ihre Drachen steigen zu lassen." (Reincke, 1949: 25)(X15)

Unter städtebaulicher Perspektive ist besonders zu berücksichtigen, daß die Wallanlagen im Zusammenspiel mit dem Heiligengeistfeld schon seit Jahrhunderten eine großräumige Trennung zwischen Kernstadt und dem westlichen Stadterweiterungsgebiet St.Pauli bildeten (siehe Hipp, 1996: 256). Bei Hipp (1996: 253/4) heißt es in diesem Zusammenhang:

"Zwischen der Innenstadt und St.Pauli liegt wie ein städtebaulicher Puffer das Heiligengeistfeld. Es ist jetzt fast gleichbedeutend mit dem 'Dom', der dort seit 1893 mehrmals jährlich stattfindet: Rummel und Volksfest wie überall - aber im Hintergrund steht die Erinnerung an den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt bei der Domkirche. In seiner langen Geschichte hatte der Platz auch andere Funktionen: Hier (wie auf der Moorweide) exerzierte das Bürgermilitär, die Fläche war das Schußfeld für die Kanonen auf dem Wallring, lange vorher war es Weide-land im Besitz des Heiliggeist-Hospitals (und hat davon den Namen behalten). 1894-99 ist es als Festplatz planiert worden.

Auf dem Heiligengeistfeld steht noch einer der beiden Hochbunker, die dort 1942 errichtet wurden. Sie nahmen die zentrale Leitstelle für die Flugzeugabwehr auf (ein 'Würzburg-Riese', eine Art Radar, war auf dem jetzt abgetragenen 'Hochhaus 2' an der Stelle des Fernmeldeamtes untergebracht) sowie eine Flugzeugabwehrbatterie auf den noch erhaltenen Hochhaus 1, das darüber hinaus Schutzraum für die Bevölkerung und übrigens auch für Archiv- und Museumsbestände enthielt. Die Hochhausdebatte der zwanziger Jahre erlebte in diesen Bunkern ihre Perversion.(X14) Wie bei vielen Schutzbauten war ihre Gestaltung zugleich symbolisch gemeint: Wie alte Kastelle sollten sie Schutz und Sicherheit suggerieren."

Ein zusätzliches Detail am Rande ist hier ebenfalls bemerkenswert: Nach sicheren, aber von städtischen Dienststellen bislang noch nicht bestätigten Informationen, ziehen sich vom 'Hochhaus 1' unter dem Heiligengeistfeld hindurch bis hin zu den Kellern des Hafenkranken-hauses und zu den Kasematten und Schutzräumen im Elbhang nahe den Landungsbrücken zahlreiche Gänge und Schächte. Laut Berichten von Zeitzeugen waren diese Gänge in den ersten Nachkriegsjahren, während hier zahlreiche Flüchtlinge untergebracht waren, noch offen zugänglich und wurden erst in den 50er-Jahren verschlossen. In dieser Zeit wurden die Bunker auch noch in verschiedenster Weise friedlich genutzt: So entstanden hier z.B. die ersten Ausgaben der "Nordwestdeutschen Hefte" und des "Hamburger Abendblattes" und es gab hier ab 1947 deas erste Nachkriegs-Revuetheater Hamburgs, das "Scala" mit fast 1.000 Plätzen. Am 25. Dezember 1952 wurde von einem Bunker-Studio die erste offizielle Fernsehsendung Deutschlands ausgestrahlt.

Da die Abrißkosten von vermutlich mehr als 50 Millionen Mark bis heute eine abschreckendere Wirkung haben als der verbliebene nördliche Bunker (der kleinere südliche wurde 1973-75 gesprengt und abgetragen), wird das "Hochhaus 1" heute von Phgotographen (F.C. Gundlasch) und Photolabors (PPS) genutzt.

4. Die Bebauung und Nutzung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Unabhängig vom (Nicht-)Vorhandensein einer juristisch verbindlichen Bindung, das Heiligengeistfeld nicht zu bebauen, wurden auf Teilen der der Fläche in der 2. Hälfte des 19. Jahr-hunderts verschiedene Gebäude errichtet:

In den Jahren 1863/64 wurde an der Nordwestecke des Heiligengeistfeldes der Hamburg-Altonaer Viehmarkt gebaut. Bis nach der Jahrhundertwende dienten im Zusammenhang damit Teile das Heiligengeistfeld weiterhin als Viehweide. Eine Güterbahnstrecke führte auf der heutigen U-Bahn-Trasse bis an den südwestlichen Rand des Feldes, wo es einen Viehverladebahnhof gab. Eine erste, detaillierte Darstellung der Lage und Größe des neuen Central-Schlachtviehmarktes findet sich auf einer unbezeichneten Karte aus "CHs Fuchs' Lith. Inst. Hambg." (StA/FHH-PK 134-1: 186.92), die ungefähr 1869 entstanden ist. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keinen Gleisanschluß, denn die entsprechende Nebenstrecke der neuen Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn endete nordöstlich der Kreuzung der (damals noch durchgehenden) Kampstraße mit der ebenfalls noch bis zur Lagerstraße durchgehenden Laeiszstraße. Zum "Central-Schlachtviehmarkt" schreibt Melhop 1895:

"Der Central-Schlachtviehmarkt für Rinder und Schafe befindet sich an der Nordwestecke des Heiligen Geist Feldes und ist mit dem Bahnhof Sternschanze durch Eisenbahngleise verbunden, Größe ca. 42.000 qm. Die ersten Anlagen stammen von 1863 her.

Die große aus Eisen construierte mit massiven Umfassungswänden versehene Rinderhalle faßt ca. 6000 Rinder und 6000 Schafe, dieselbe ist 1887/88 erbaut.

Außer der Rinderhalle sind 2 Verwaltungsgebäude neben dem Haupteingang an der Eimsbütteler Straße, sowie ein Maschinengebäude für die elektrische Beleuchtung der Halle und des Platzes vorhanden. Die Bauten wurden 1886 in Angriff genommen und 1889 vollendet; Kosten ca. 1 Million Mark.

Das Verbindungsgleise zwischen dem Bahnhof Sternschanze und dem Viehmarkt am Heiligen Geist Felde ist nebst der dortigen massiven Laderampe 1886 hergestellt. 1895 wurde ein Geleise für die Dungabfuhr hinzugefügt. Südlich von der Rinderhalle sind die Stände für ca. 1500 Pferde angeordnet. ...

Die Fußgängerbrücke in der Richtung der Paulinenstraße über die Geleise des Viehmarktes ist 1889 hergestellt." (S. 256)

Seit ihrer Errichtung wurde die Rinder-Markthalle mehrfach erweitert und 1930 zur Kühlhalle umgebaut. Heute befindet sich dort ein Supermarkt. An die ursprüngliche Viehmarktnutzung erinnert nur noch die teilweise (besonders an der Rückseite) erhaltene Bauplastik in Form von Bullendarstellungen.

Auch Tiere aus Carl Hagenbecks Tierpark am Neuen Pferdemarkt weideten im 19. Jahrhundert auf dem unbebaut gebliebenen Teil des Feldes und "verirrten" sich dabei gelegentlich in die benachbarten Straßen und Häuser, wie einige im Staatsarchiv aufbewahrte Berichte über ausgerissene Giraffen und in Küchen des Schanzenviertels "plündernde" Affen beweisen (siehe: Patronat St.Pauli [mit Landherrenschaft Hamburger Berg], Bestandskatalog. StA/FHH 411-2). Neben dem Betrieb des Tierparks veranstaltete Hagenbeck ab 1887 seine ersten Völkerschauen auf dem Heiligengeistfeld. Ein "Internationaler Circus und Singhalesen-Ausstellung" wird am 2. April 1887 eröffnet. Er bekam allerdings bald an gleicher Stelle Konkurrenz durch die 1890 vom "Zoologischen Garten Leipzig" abgehaltene "Beduinen- und Völkerschau".

Neben diesen friedlichen Nutzungen gab es - insbesondere in der Zeit zwischen 1860 und 1867 - auch eine militärische, denn sowohl das Hamburger Bürgermilitär wie auch Altonaer (= dänisch-schleswigsche) Einheiten pachteten und benutzten Teile des Feldes zeitweilig als Aufmarsch- und Exerzierplatz (siehe: StA/FHH, Bestand 411-2: II E 5722). Nach 1871 wurden auch die Feiern und Paraden zum Kaisergeburtstag und zum "Sedanstag" auf dem Heiligen-geistfeld abgehalten. Zur Jahrhundertwende hin traten jedoch immer stärker die "friedlichen" Veranstaltungen zur Vergnügung und "Volksbelustigung" in der Vordergrund. Im Jahre 1880 wurde an der Glacischaussee die Eisbahn angelegt. 1882 wurde an der Südecke des Feldes ein sog. "Hochseepanorama" erbaut, daß man jedoch 1909 wieder abbrach. 1888 eröffnete das "Schlachtenpanorama" an der Glacischaussee, das im Herbst 1919 abgebrochen wurde.

Zur weiteren Nutzung des Heiligengeistfeldes im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts finden sich ausführlichere Informationen bei W. Melhop (1895), der als Zeitzeuge einige Ereignisse besonders hervorhebt. Es heißt in seiner 'Historischen Topographie':

"Das Heilige Geist Feld hat eine Größe von 28 ha 95 a. Der über das Heilige Geist Feld vom südlichen Theil der Glacischausse nach dem jetzt aufgehobenen Müllergang (Marktstraße) führend Fußweg ist 1879 aptirt. Der Fußweg von der Sophienstraße zum Müllergang neben den Geleise-Anlagen des Central-Viehmarktes ist 1889 hergestellt worden. 1893 wurde auf dem Kreuzungspunkt der beiden Diagonal-Fußwege mitten auf dem Feld ein Candelaber errichtet. Das Panorama gegenüber dem Millernthorplatz an der südlichen Ecke des Heiligen Geist Feldes ist 1882 erbaut und im November eröffnet. Das nördlich hiervon an der Glacis-Chaussee belegene Panorama wurde 1888 im April eröffnet.

Vom 3.-11. Juli 1883 fand auf dem Heiligen Geist Felde eine Internationale Land-wirth-schaftliche Thierausstellung statt. Dieselbe hatte ihren Platz westlich von der Glacis-Chaussee und bedeckte einen Flächenraum von ca. 10 ha.

Im August 1890 fanden sich auf dem Heiligen Geist Felde zu gleicher Zeit Buffalo Bill's Wild West Truppe und Carver's Wild Amerika ein; beide concurrirende Gesellschaften waren u.A. von vielen echten Indianern begleitet und gaben eine Reihe sehenswerte Vorstellungen, die namentlich auf die männliche hamburgische Jugend einen nachhaltigen Eindruck machten. (10)

Seit 1880 wird auf dem Heiligen Geist Felde längs der Glacischaussee allwinterlich eine künstliche Eisbahn hergestellt, die stets sehr stark besucht ist. Die hierzu gepachtete Fläche mißt ca. 44000 qm. Die Baulichkeiten - ein Restaurationsgebäude, die Maschinenhalle und das Kesselhaus - mit Ausnahme der Einplankung bleiben seit 1890 auch während des Sommers stehen.

In den achtziger Jahren hat man angefangen, einen Theil der Dombuden auf dem Heiligen Geist Felde aufzuschlagen, hierzu wird die Nordseite vornehmlich gewählt. Seit 1893 (Anm. b. Melhop: Amtsblatt 1893. Reglement v. 31. Oktober. S. 419) findet die Ausstellung der Schaubuden zur Domzeit nur noch auf dem Spielbudenplatz und dem Heiligen Geist Felde statt.

Wegen der ungünstigen Geschäftslage im Winter 1894-95 ließ der Staat auf dem Heiligen Geist Felde Nothstandsarbeiten vornehmen. Der an der Feldstraße verlaufende höhere Theil des Feldes, welches sich etwa 2« m über das Niveau der Straße erhebt, wurde teilweise abgetragen und mit dem gewonnenen Boden der an der Eimsbütteler Straße tief liegende Teil des Feldes aufgehöht in der Weise, daß man die höchste Linie des Feldes von der Nähe der Feldstraße weg mehr nach der Mitte desselben verlegte. An den Fußwegen, der Eisbahn und den sonstigen Baulichkeiten auf dem Felde sind Aenderungen durch die im Frühjahr 1895 erst zum Theil vollendeten Ausgleichungsarbeiten, für welche 1884 200.000 Mk. bewilligt wurden, nicht verursacht.

Der nordöstliche Theil des Heiligen Geist Feldes in Größe von rund 34.000 qm ist von Oktober 1894 bis Oktober 1895 an den Ingenieur Rodeck zur Veranstaltung der 'Ausstellung Italien in Hamburg' vermietet. Die Ausstellung, zu der rund 480 Italiener und Italienerinnen angeworben waren, wurde am 11. Mai 1895 eröffnet. Das Ausstellungsterrain hat man mit Kanälen und Straßen durchzogen, an denen die berühmtesten der italienischen Baulichkeiten (aus Venedig, Neapel etc.) körperlich nachgebildet waren. Auf dem Marcusplatz, umgeben vom Dogenpalast, dem Campanile, den die Tauben des heiligen Marcus umflatterten, der Basilika mit den 4 Rossen über dem Portal, den Procuranzien und dem Palazzo Reale wurden Scenen echt italienischen Volkslebens dargestellt. Auf dem Canale Grande wiegten sich die Barken, mit Gästen besetzt, denen die Gondolieri die Straßen, Brücken und Gebäude, welche sie passirten, erklärten. Decorativ dargestellt lagen am anderen Ufer des Canals Dampfer, und weiter hin erblickte man die Inseln mit ihren Kirchen und Bauten." (Melhop, 1895: 249/250)

Die erste sportliche Großveranstaltung auf dem Heiligengeistfeld war im Juli 1898 das 9. Deutsche Turnfest mit rund 10.000 Teilnehmern. Eine dauerhafte sportliche Nutzung erfolgte jedoch erst seit ca. 1915/16 mit dem Bau der ersten Turnhalle an der südöstlichen Ecke, der später die Anlage weitere Sportplätze und der Bau des Stadions des FC St. Paulis folgten.

Wann die erste Windmühle an der Nordseite des Feldes (etwa an der Stelle des heutigen Hochbunkers) angelegt wurde, ließ sich schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht mehr eindeutig ermitteln (Neddermeyer, 1832: 189).

Bereits aus dem Jahre 1420 liegt eine Mühlenrechnung vor, laut derer die Mühlenherren 28 ß Pacht an das Hospital zum Heiligen Geist zu zahlen haben ("Item domui sancti Spiritus pro hura agrorum 28 ß."), wie Gaedechens 1879 berichtet.(X13)

Nachweislich wurde zudem am 8. Mai 1715 ein Vertrag über die Verpachtung einer Bock-mühle abgeschlossen (Gaedechens, 1880: 180). Diese wurde 1813 von den Franzosen zerstört und bereits 1816 wieder aufgebaut. Auf einer Karte aus dem Jahre 1822 (StA/FHH-PK 134-1: 182.21) findet sich am Nordrand des Heiligengeistfeldes ein Symbol mit der Bezeichnung "Windmühle" und jenseits der Straße "Neuer Kamp" das "Müllerhaus". Ein Plan aus dem Jahre 1825 (StA/FHH-PK 134-1: 182.54) zeigt die Mühle sogar in Form der miniatu-risierten Darstellung einer hölländischen Bockwindmühle.

Offenbar war die Mühle auch das gesamte 19. Jahrhundert hindurch in Betrieb. Im Mai 1907 stürzten bei einem Sturm zwei Flügel herab und mußten erneuert werden (Melhop, 1923: I, 222). Zur Situation im 19. und frühen 20. Jahrhundert heißt es bei Bertram:

"Neben den Eisenbahngleisen erhebt sich auf einem niedrigen Hügel des Heiligengeistfeldes die alte Windmühle, in der Korn gemahlen wird. ... Gegenüber der Windmühle ... lag früher eine Ölmühle, die 1813 mit anderen Gebäuden von den Franzosen niedergebrannt wurde. Die Gegend heißt noch im Volksmunde 'Bei der Ölmühle'. Die 'Ölmühler', sehr streitlustige Jungen, die auf dem Felde ihre Knüppelschlachten ausfochten, waren einst übel berüchtigt. Nahe der Windmühle führt eine Treppe hinab bis nach der Haltestelle 'Feldstraße', von der aus die Untergrundbahn das Heiligengeistfeld schnurgerade bis zur Haltestelle 'Millerntor' durchquert. Der Eingang der Haltestelle 'Feldstraße' ist im Stil norwegischer Holzbauten ausgeführt. Ein Fußweg führt von hier aus quer über das Feld nach der Glacischaussee auf eine Feuerwache zu." (Bertram, 1921: 170)

Auf Verfügung der Denkmalschutzbehörde vom 31. Januar 1925 wurde diese Getreidemühle (nicht zu verwechseln mit der bereits im 17. Jahrhundert abgebrochenen Ölmühle) wegen ihrer geschichtlichen Bedeutung in die Denkmalliste eingetragen (StA/FHH: Akte der Kämme-rei IV V E 92). Sie war zuletzt nur noch für Lagerzwecke benutzt worden und wurde immer baufälliger, da zahlreiche Holzteile vom Hausbock befallen waren. Am 31. August 1938 ver-ließ der letzte Mieter Wilhelm Thöming die Mühle, weil der Betrieb wegen der kostspieligen Auflagen der Feuerwehr und der Baupolizei zu unrentabel geworden war. Am 23. Januar 1939 erklärte sich der Hamburger NSDAP-"Reichsstatthalter" gegen den Willen und ohne Zustimmung der Denkmalschutzbehörde mit dem Abbruch der Mühle einverstanden. Bei der Entscheidung für den Abbruch dürften durchaus auch militärische Gründe eine Rolle gespielt haben, da die Mühle sicher einen guten Orientierungspunkt für feindliche Flugzeuge darstel-len konnte. Inwieweit die Mühle bereits 1939 den Plänen, an dieser Stelle einen Hochnbunker zu bauen, weichen mußte, läßt sich nach der Quellenlage für diese Zeit nicht entscheiden. Dieser Grund liegt jedoch nahe, denn der Abbruch wurde Ende August 1939 - wenige Tage vor Beginn des 2. Weltkrieges - vollendet.

Einen letzten Anklang an die Mühle bildet heute zu "Dom"-Zeiten die entsprechende Schau-steller-Bude neben dem Domeingang an der U-Bahn Feldstrasse, die eine Miniatur-Wind-mühle darstellt.

5. Das Heiligengeistfeld und der Dom
Die Geschichte des "Doms" als Volksfest auf dem Heiligengeistfeld beginnt in den 1880er-Jahren (Melhop, 1895). In dieser Zeit werden die Dombuden aus der Gegend des Zeughaus-marktes dorthin umgesetzt. Ursprünglich war dieses Volksfest als Markt rund um den alten Hamburger Dom (am heutigen Speersort) entstanden. Das Gebäude der Domkirche und ihrer Anbauten hatte seit der Reformation als Stätte des Gottesdienstes kaum noch Bedeutung. Die weithin unbenutzten Räume des weitläufigen Komplexes reizten hingegen viele Händler, sich dort niederzulassen, und so wurde aus der Kirche eine Art "Kaufhaus". Beson-ders bunt wurde das Treiben, wenn im Dom und in seiner nächsten Umgebung der Weihnachtsmarkt abgehalten wurde. Dann mehrte sich mit der Zahl der Schausteller auch die der Besucher. Unter ihnen fielen besonders Spielwaren- und Wursthändler sowie die Schankwirte auf und es ist mancher Krawall in den Berichten der zum Polizeidienst eingesetzten Stadtsoldaten überliefert.

Eine knappe, jedoch recht unterhaltsame Zusammenfassung der "Domfreuden in vergangener Zeit" liefert A. Schreyer zu Weihnachten 1965. Er berichtet, daß der traditionelle Weih-nachtsmarkt am und "im Dom" im Jahre 1804, als die Gebäude des Doms "wegen Baufälligkeit" gesperrt wurden, um sie endgültig abzubrechen, zunächst zum Gänsemarkt verlegt wurde. Dazu heißt es im einzelnen:

"Den in allen Gegenden Deutschlands verbreiteten Christmarkt nennt man in Hamburg den 'Dom'. Damit hält er die Erinnerung an die einst so großartige Domkirche St. Marien wach, die bedauerlicherweise in den Jahren 1804-1806 der in Hamburg zu aller Zeit beliebten Spitz-hacke zum Opfer fiel."(dazu auch: X16)

Vom Gänsemarkt aus zog der weihnachtliche Dommarkt - nach einem nur wenige Jahre wäh-renden Zwischenspiel in der Neustadt am Zeughaus- und am Großneumarkt (ab ca. 1830 behinderte der "Neue Dom" dort den zunehmenden Verkehr bereits zu stark) - ab 1880 in die Vorstadt St. Pauli zum Holstenwall und zum Spielbudenplatz (s. Klaussmann, ca. 1900) und schließlich auf das Heiligengeistfeld um (s.a. Bolland, 1953: 81-83). - Klaussmann schreibt dazu:

"Lange vor Weihnachten, bis nach Neujahr, besteht in Hamburg die 'Domzeit', und auf dem 'Dom', d.h. auf dem Spielbudenplatz von St. Pauli, der westlichen Vorstadt von Hamburg, versammeln sich alljährlich Hunderte von Schaustellern mit ihren Buden, Wagen und Familien, Pferden und Requisiten, um eines Theils in der Winterruhe Kräfte zu finden für die Strapazen der kommenden Saison, um durch Neuankäufe die Lücken unter den Requisiten und Schau-gegenständen zu ergänzen, um an den Beratungen der verschiedenen Schausteller-Genossenschaften teilzunehmen, für welche Hamburg der obligatorische Vor- und Versammlungsort ist. Um das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden, bezieht man einen Platz auf dem Dom, um nicht mit den Schaugegenständen müssig zu liegen und wenigstens die Kosten für den Winteraufenthalt zu erwerben."

Vom 2. bis 26. Dezember 1900 fand der erste "offizielle" Weihnachts-Dom auf dem Heiligengeistfeld statt, denn am 5. Januar 1900 war die entsprechende Marktordnung in Kraft getreten. Inzwischen wird der "Dom" bekanntlich mehrmals jährlich abgehalten und besonders der Weihnachts-Dom hat damit in Kürze eine fast 100jährige Tradition. Reincke schreibt dazu kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges, bezugnehmend auf die namensgebende Domkirche:

"In der Weihnachtszeit aber ist das Gelände nun schon seit Jahrzehnten wieder dem Hamburger Dom verbunden, jetzt freilich nicht mehr der erzbischöflichen Mutterkirche des Nordens, sondern mit dem Weihnachtsmarkt, der ehedem in den Kreuzgängen des Doms, jetzt aber auf dem ehemals erzbischöflichen Borsteler Felde vor der Stadt abgehalten wird." (Reincke, 1949: 25)

Die übrigen Veranstaltungen ("Hummelfest") und Termine haben dabei durchaus unterschiedliche Ursprünge, die jedoch meist im Zusammenhang mit Viehmärkten standen. So wurde der Lämmermarkt, der bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in jedem Frühjahr um Ostern herum in der Altstadt abgehalten wurde, ab ca. 1907/08 ebenfalls auf das Heiligengeistfeld verlegt, und bildete schließlich den Ursprung des Frühjahrsdoms. Im Spätsommer bzw. Herbst gilt das selbe für die alljährlichen Schaf- und Rindermärkte, die - schon allein wegen der Nähe des "Central-Schlachtviehmarktes" - ab dem letzten Drittel des 19. Jhtds. in St. Pauli abgehalten wurden.

Heute teilt der Dom sich das Feld im Verlauf eines Jahres mit anderen Großveranstaltungen (Zirkus, VarietÇ, Sportveranstaltungen etc.). Auch damit wird jedoch an eine bereits im frühen 19. Jhdt. beginnende Tradition angeknüpft, große Veranstaltungen und Feiern zu besonderen Anlässen auf dem Heiligengeistfeld durchzuführen. Nach W.Heyden (Heyden, 1918: 204, 207) wurden seit 1817 die Feiern zur Erinnerung an die Befreiungskriege gegen Napoleon auf dem Felde vor dem Millerntor durchgeführt:

"Am 18. Oktober 1817(11) wurden auf dem Heiligengeistfeld die neuen Fahnen eingesegnet und an das Bürgermilitär übergeben." (S. 204)

Auch die Feier zur "25. Wiederkehr des Tages der Völkerschlacht bei Leipzig" wurde hier abgehalten. Bis 1841 gehörten zu diesen und anderen Feiern auch große Freudenfeuer, nach denen den Hamburgern aber - aus bekanntem Grunde - ab 1842 nicht mehr der Sinn stand. Über die letzte Völkerschlacht-Feier am 18. Oktober 1863 zum 50. Jahrestag schreibt Heyden u.a. folgendes:

"Um 2 Uhr folgte eine große Parade des Bürgermilitärs auf dem mit einem Festzelte ausgestatteten Heiligengeistfelde in Gegenwart der Bürgermilitär-Kommission. Allerdings wurden einige Pferde scheu, als diese mit Kanonendonner empfangen wurde, aber im übrigen verlief das militärische Schauspiel zur Zufriedenheit und der Defiliermarsch am Schluß wurde 'mit erfreulicher Präzision', wie der Hamburgische Correspondent berichtet, ausgeführt." (Heyden, 1918: 207)

Zur besseren Nutzbarmachung des Platzes erfolgte, wie bereits erwähnt, 1894-95 die Einebnung des Feldes als "Nothstandsarbeit" (siehe: Melhop, 1895: 249). Die erste Großveranstaltung, der dies zugute kam, war die landwirtschaftliche Ausstellung von 1897.

In der erweiterten Neuauflage seiner "Topographie" berichtet Melhop (1925) auch über den Bau der Hochbahn:

"Die Hochbahn-Haltestelle Feldstraße wurde 1910/11 errichtet (Architekten Raabe und Wöhlecke).

Die Ausschachtungsarbeiten [für die Hochbahnringlinie] quer durch das Heiligen-Geist-Feld und der dortige Tunnelbau mußten bis nach dem Bundesschießen 1909 und der Landwirtschaftlichen Ausstellung 1910 verschoben werden und sind nebst dem Tunnel Millernthorplatz 1910 beschafft worden. Die an der Nordseite des Platzes liegende Haltestelle Millernthor (Architekten Schaudt und Puritz) hat man ebenfalls 1910 gebaut." (Melhop, 1925: 432) Bereits seit der zweiten Hälfte des 19. Jhdts. - und besonders seit der Jahrhundertwende - wurde das Heiligengeistfeld auch immer wieder für politische Großveranstaltungen benutzt. So hielt z.B. bereits im Jahre 1865 der Arbeiterverein eine Versammlung dort ab (StA/FHH 411-2: II G 5499). Oder es fand hier am 1. Mai 1912 die zentrale Maifeier für Hamburg und Altona statt (Stachow, 1995: 93). An diese "proletarische" Tradition knüpfte sicher auch die "Große Volks-Versammlung auf dem Heiligen Geistfekde" am 1. August 1917 an, bei der unter dem Motto "Gegen den Krieg! Für Freiheit, Gleichheit und Brot!" für ein Ende des 1. Weltkrieges demonstriert wurde. Im diesbezüglichen Polizeibericht heißt es dazu wörtlich: "Das Heiligengeistfeld wurde kurz nach 8.30 Uhr von der Schutzmannschaft ohne Waffen-gebrauch gesäubert." Trotz dieses harten Vorgehens der Obrigkeit wiederholten sich die Demonstrationen in den folgenden Monaten. So versammelten sich u.a. am 30. Januar 1918 Tausende von streikenden Hafenarbeitern an gleicher Stelle und forderten den Sturz des Kaisers und der Reichsregierung. Diese Forderung erfüllte sich im Oktober 1918 und wieder versammelten sich 40.000 Arbeiter Matrosen und Soldaten auf dem Heiligengeistfeld und proklamierten die Räterepublik der Arbeiter und Soldaten. Sie zogen danach durch die Stadt und übernahmen die Kontrolle über das Generalkommando und die wichtigsten öffentlichen Gebäude. Für kurze Zeit herrschten in Hamburg die Arbeiter- und Soldatenräte, die - wiederum auf dem Heiligengeistfeld - im November 1918 eine Gedenkveranstaltung für die Opfer der Revolution durchführten.

Wenige Jahre später gibt es erneut eine verlustreiche Demonstration: Am 22. März 1921 ruft die kommunistische "Hamburger Volkszeitung" alle Arbeitslosen der Stadt auf, am Morgen des nächsten Tages auf die Werften zu ziehen, um dort nach Einstellung in die Betriebe zu verlangen. Am Nachmittag sollte es dann eine Kundgebung auf dem zentralen Platz am Millerntor geben. Erwerbslose und sich mit ihnen solidarisierende Werftarbeiter ziehen dar-aufhin gemeinsam zum Heiligengeistfeld, wo sie sich auf dem hermetisch abgeriegelten Areal massiver Polizeipräsenz gegenübersehen. Mit brutaler Gewalt wird gegen die Demonstranten vorgegangen, so daß es zu einem Massaker mit Dutzenden von Toten und Verletzten kommt.

Eine andere, dauerhaftere öffentliche Nutzung bildete die Turnhalle an der südwestlichen Ecke des Feldes unmittelbar nördlich des Millerntorplatzes, die kurz nach der Fertigstellung der U-Bahn errichtet worden sein dürfte (siehe unbezeichnete Karte aus dem Bestand der "Behörde für Technik und Arbeit / Vermessungsamt", ca. 1916; StA/FHH-PK 134-1: 191.61). Dazu heißt es bei Bertram:

"Ganz frei von Bebauung ist das Heiligengeistfeld freilich doch nicht; aber die bebauten Gebiete nehmen nur geringen Raum an den Rändern des Feldes ein. An der Glacischaussee, ... , liegt das langgestreckte niedrige Gebäude der Eisbahn und an der Ecke Eimsbüttelerstraße der Turnplatz und die Turnhalle des St.Pauli-Turnvereins von 1872. An der Eimsbüttelerstraße, welche vom Millerntor nach Eimsbüttel führt, nehmen Eisenbahngleise und der Zentral-Viehhof einen Teil des Feldes ein." (Bertram, 1921: 169)

Im Jahr 1921 beginnt auch die Nutzung des Sportplatzes auf dem Heiligengeistfeld durch den FC St.Pauli. Über die weitere Nutzung unmittelbar nach dem ersten 1.Weltkrieg findet sich bei Bertram die folgende kurze Darstellung:

"Nach dem Kriege hat auch der Weihnachtsmarkt oder Dom wieder seinen Einzug gehalten. Das Feld dient vorzugsweise als Spiel- und Erholungsplatz für die Jugend, die hier ihre Drachen steigen läßt und sich in Ball- und anderen Spielen tummelt. Der Boden ist nur mit einer dünnen Grasnarbe bedeckt. Durch Holzgitter werden beständig einige Teile abgesperrt, auf denen Gras gesät wird. Wenn es hoch genug ist, werden diese Gebiete freigegeben und andere besät. Sonst würde die ganze Fläche bald ein einziges Sandfeld sein, auf dem man sich, besonders bei starkem Winde, kaum aufhalten könnte." (Bertram, 1921: 169)

Eher unrühmlich ist die Funktion als Aufmarschplatz nationalsozialistischer Veranstaltungen zwischen 1933 und 1943 (Aufmarsch zum 1. Mai 1933/Fotoarchiv der Landsbild-stelle). - Dabei sollte es jedoch ursprünglich nicht bleiben:

Die Pläne des "Architekten des Elbufers" Konstanty Gutschow sahen die Verbreiterung von Wallanlagen und Holstenwall auf Kosten der alten Kirchhöfe, den Totalabriß des gesamten Karolinenviertels und die Errichtung einer großen Sporthalle im südlichen und eines riesigen Gebäudekomplexes im westlichen Teil des Heiligengeistfeldes vor. Interessanterweise scheint es bereits in einem 1939 präsentierten Modell am nördlichen Ende dieses Gebäudekomplexes den heute noch existierenden Hochbunker zu geben (siehe St. Pauli-Archiv, Dokumente zum Thema "Elbufer" mit Auszügen aus Nachlaß Gutschow im Hambumger Architekturarchiv).

Auf einem Photo dieses Modells ist ein durchgehender Grünzug vom Alten Elbpark entlang der Wallanlagen über das Heiligengeistfeld und das Gebiet des Karolinen- und Schanzenviertels bis zum Schanzenpark zu erkennen.

Bei der Vorstellung des Projektes "Elbufergestaltung" am 30. Juni 1939 durch die "Bauverwaltung der Hansestadt Hamburg" im Auftrag des "Reichsstatthalters in Hamburg" gab es bereits einen genauen Zeitplan und einen Kostenvoranschlag für die Durchführung der einzelnen Bauabschnitte. So findet sich z.B. für "Punkt 19: Verbreiterung von Wallanlagen und Holstenwall" die Zeitspanne 1950-53 und unter "Punkt 21" für den sog. "3. Bauabschnitt: Grosse Grünachse - Neuer Hauptbahnhof" die Angabe 1952-61.

Kriegsbedingt wurden als einzige Bauwerke die beiden Hochbunker (das heutige "Hochhaus 1" und ein Bunker an der Stelle des heutigen Telekom-Gebäudes) errichtet. Seit Anfang der 90er-Jahre sind jedoch in den wiederholt geführten Diskussionen über die sog. "Mehrzweckhalle" ("Show-Arena", "Sport-Dome") immer wieder Vorschläge in Hamburger Medien diskutiert worden, in denen auch das Heiligengeistfeld eine Rolle spielte, allerdings meist ohne konkrete Einzelheiten oder Planungen vorzustellen. Daß damit mehr oder weniger direkt an die Planungen der 20er-Jahre und insbesondere Teile der nationalsozialistischen Groß-Hamburg-Planung angeknüpft wird, scheint dabei nicht (mehr) bekannt zu sein oder wird schlicht ignoriert.

Allerdings hatte es auch schon in den 1920er-Jahren Pläne für eine großräumige Bebauung des Heiligengeistfeldes mit einer riesigen Sportanlage (Max Bach, 1926) oder eine kombinierte Freizeit- und Messe-Nutzung (Fritz Schumacher, 1925) gegeben:

Schumacher bleibt - gemessen an den später von anderen Architekten vorgelegten Entwürfen - geradezu bescheiden, obwohl er in seine Pläne für Ausstellungshallen und Sportplätze auf dem Heiligengeistfeld (Abb. bei Höhns, 1991: 36) bereits einen Teil der Wallanlagen einbezieht, um eine engere Verbindung zur Kernstadt herzustellen. Er skizziert einen umlaufen-den Hallenbau mit hervorgehobenen runden Eckgebäuden und einem großen Zentralbau in der Mitte der westlichen Platzseite gegenüber dem Eingang vom Holstenwall aus. Den Innenraum füllen acht rechteckige Plätze (wahrscheinlich Fußballfelder) in zwei Reihen zu je 4 Plät-zen beidseits eines Weges vom Eingang zur großen Halle und randliche Grünflächen, so daß man seine ungefähre Größe mit ca. 250 x 350 m annehmen kann.

Bach legt 1926 in einem wenig bekannten, jedoch hochinteressanten Projektvorschlag bereits einen wesentlich monumentaleren Entwurf für ein neues Stadion vor, der - trotz aller nationalen Beiklänge (der Titel des veröffentlichten Entwurfs lautet "Der Deutsche Kampfplatz in Hamburg") - sowohl architektonisch durch die Anknüpfung an den Bauhaus-Stil modern wirkt wie auch politisch dem Gedanken des Volks- und Arbeitersports verbunden ist. Dazu sollten die zentrale Lage, niedrige Eintrittspreis sowie schnelle und preiswerte Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln beitragen. Bach schreibt dazu:

"Es sind zwei wichtige Vorbedingungen zunächst zu erfüllen: Einerseits ist die Lage des Stadions in verkehrstechnischer Hinsicht richtig zu wählen, andererseits zu erwägen, wie die Anlage zu placieren ist, daß sie ohne großen Kostenaufwand von der Masse des Volkes jederzeit zu erreichen ist." (Bach, 1926: 6) - und kommt zu der Schlußfolgerung:

"... Es ist demnach ausgeschlossen, die geplante Stadionanlage z.B. hinter dem Stadtpark unterbringen zu wollen, lediglich aus dem Grunde, weil dort zufällig genügend Platz vorhanden ist. Das Stadion muß in erster Linie z e n t r a l liegen.

Für Hamburg muß es daher als besonderer Glücksfall bezeichnet werden, daß sich an den Grenzen der inneren Stadt in durchaus zentraler Lage ein großes staatliches Gelände befindet, das allen Anforderungen in jeder Weise entspricht: das Heiligengeistfeld.

Es gibt in Hamburg keinen Platz, der sich für Massenveranstaltungen verkehrstechnisch besser eignen würde, als das Heiligengeistfeld. ... Wird dieses Gelände doch beinahe von der Hälfte aller großhamburgischen Straßenbahnen berührt, hat es doch im Norden und im Süden je einen Untergrundbahnhof und eine Haltestelle der Stadtbahn in unmittelbarer Nähe.

In seinem jetzigen Zustand ist das Heiligengeistfeld weder als Spiel- und Sportfläche noch als Ausstellungsgelände infolge der dauernden Staubplage besonders geeignet. Durch eine maßvolle Randbebauung soll dieses wertvolle Areal seiner Zweckbestimmung besser zugeführt werden, als es bisher der Fall ist. es soll als eine Lunge der Großstadt dem freien Verkehr erhalten bleiben. Es soll ferner als stets verfügbares großes Ausstellungsgelände für Gewerbe, Industrie und Dom dienen. Vor allem soll es, wie bisher, ungehindert dem Spiel und Sport zur Verfügung stehen." (Bach, 1926: 6-7)

Neben dem Stadion umfaßt der Entwurf auch eine unentgeltlich (!) zu nutzende öffentliche Badeanstalt, eine "Schnellaufbahn", Läden und Ausstellungsbauten, ein "Volkstheater oder Volkskino" und ein "Volks- und Gemeinschaftshaus" und eine neue Turnhalle (Bach, 1926: 8).

Als Anlage ist dem gedruckten Gutachten die Abschrift einer Stellungnahme der Hamburger Hochbahn A.-G. vom 28. August 1924 zu den sich durch ein solches Stadion ergebenden Verkehrsproblemen beigefügt. Im letzten Absatz dieser Stellungnahme heißt es zusammen-fassend:

"Wir wissen kaum einen Punkt in Hamburg, der sich verkehrstechnisch für Massenveranstaltungen besser eignen würde, als das Heiligengeistfeld." (Bach, 1926: 12)

Erst in einem späteren, im Jahre 1934 durchgeführten Wettbewerb, d.h. ein Jahr nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, werden statt der früheren, (relativ) "maßvoller" Vorschläge dann zahlreiche "gigantomane" Vorschläge eingereicht

"... und das Preisgericht kommt [wegen der riesigen Dimensionen der meisten Entwürfe] zu dem überraschenden Ergebnis, >>daß das Heiligengeistfeld für eine städtebaulich und praktisch befriedigende Lösung zu klein ist<< und bewertet deshalb vorrangig die bauliche Seite des Wettbewerbs.

Es zeichnet ohne nennenswerte Ausnahme modernistische Entwürfe für eine 'Halle der 60.000' aus; die technisch bestimmte Architektur der Aufgabe ist noch kein Politikum und steht deutlich erkennbar in der Tradition der Moderne der späten zwanziger Jahre." (Höhns, 1991: 35)

Trotzdem bildet dieser Wettbewerb einen Meilenstein in der Baugeschichte Hamburgs - zumindest der "ungebauten". -

Dazu schreibt Höhns:
"Geradezu sensationell sind die Ergenbnisse des 1934 veranstalteten >>Wettbewerbs zur Gewinnung von Ideen für eine Kongreß-, Sport- und Ausstellungshalle auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg<<. Dieser für lange Zeit bedeutendste nach 1933 in Norddeutschland veranstaltete Wettbewerb zog große fachliche Aufmerksamkeit auf sich, weil hier zum ersten Male an exponierter Stelle die neuen politischen Vorstellungen in eine städtebauliche und architektonische Form gebracht werden sollten, direkt vergleichbar mit dem zur selben Zeit veranstalteten Wettbewerb der 'Deutschen Arbeitsfront' für ein 'Haus der Arbeit'."

Der Jury gehörten u.a. Erich Elingius und Kurt Frick an; das Preisgerichtsprotokoll der öffent-lichen Ausscheidung vom 28./29. Mai 1934 ist im Archiv Gustav Burmester erhalten und auszugweise in "Pläne und Schriften" (1934) abgedruckt. Erste Preise erhielten Erich zu Putlitz (für einen flachen, weit gespannten Kuppelbau), Hermann Distel, Max Schmidt (für einen aus-gedehnten, rechteckigen Komplex einer Kongreßhalle) und Peter Behrens. Nicht prämiert, jedoch "rekordverdächtig" war Hermann Honnefs "Halle der Hunderttausend" mit 100.000 Sitzplätzen (bzw. 180.000 Stehplätzen) zu Füssen eines 500 m hohen "Reichs-Kraftturm[s]-Hamburg", auf dessen Spitze Windturbinen der Stromerzeugung dienen sollten. Leicht gewinnt man beim Betrachten der Entwürfe für diese ungeheuren Baumassen den Eindruck, daß - neben nationaler Euphorie - auch ungebremste Zukunftsgläubigkeit und auch ein wenig die phantastische Architektur Fritz Lang's in "Metropolis" bei den Planungen Pate gestanden haben.

Es blieb bekanntlich bei den Bunkern und in neuerer Zeit wurden nur noch gelegentlich andere, provisorische Bauwerke auf dem Heiligengeistfeld errichtet, wie z.B. eine Station der experimentellen Magnetschwebebahn anläßlich der Internationalen Verkehrsausstellung (1979).

Natürlich wird die Hauptnutzung bis heute vom "Hamburger Dom" gebildet. Bereits seit ca. 1952 wird auf den Dom-Plakaten mit der Unterzeile "Das Volksfest des Nordens" geworben (siehe StA/FHH-Plankammer, Bestand 287-7: Dom, Weihnachtsmarkt).

Daneben ist das Heiligengeistfeld in den "domfreien Zeiten" vermehrt auch anderen Nutzungen zur Verfügung getellt worden. Dies begann in den frühen 50er-Jahren mit der "Jahresschau der Deut. Landwirtschaftsgesellschaft" (1951) und setzt sich heute insbesondere bei Zirkusgastspielen fort.

Erst aus neuerer Zeit stammt offenbar hingegen die weitgehende Gleichsetzung des Heiligengeistfeldes mit dem "Dom", denn noch 1967 schreiben die Autoren der "Heimatchronik der Freien und Hansestadt Hamburg":

"Seit dem Jahre 1914 gibt es in Alt-Hamburg anstelle der Jahrmärkte nur noch den Dommarkt auf dem Heiliggeistfeld. Er hat nach dem Zweiten Weltkrieg wieder an Umfang und Zahl der Beschicker zugenommen. Der Hamburger Dom, dieses Vergnügungs- und Volksfest mit hohen Besucherzahlen ist im Begriff, für die Bevölkerung Hamburgs und der weiteren Umge-bung einen ähnlichen Rang zu erhalten wie der Freimarkt in Bremen oder das Oktoberfest in München." (von Lehe / Ramm / Kausche, 1967: 244)

Dazu hat sicher auch der besondere IGA-Dom 1973 beigetragen, der während der Internationalen Gartenbau-Ausstellung durchgehend vom 27. April bis 26. August stattfand. Besonders intensiv wurde auch für den Jubiläums-Dom vom 2.11.-2.12.1979 geworben ("650 Jahre Hamburger Dom"; s.a. StA/FHH-Plankammer, Bestand 287-7: Dom, Weihnachtsmarkt).

Aus politischen Gründen geriet das Heiligengeistfeld im Juni 1986 in die Schlagzeilen, als eine große Gruppe von Demonstrant/inn/en dort teilweise mehr als 16 Stunden von den Polizei eingekesselt wurde. Dieser "Hamburger Kessel" beschäftigte die Gerichte danach nahezu 10 Jahre lang. Schließlich wurde das damalige Handeln der Polizei und der Innenbehörde für unrechtmäßig erklärt und den Betroffenen Schadensersatz und Schmerzensgeld zugesprochen.

6. Aktuelle Situation und Perspektive
Heute obliegt die wirtschaftliche Nutzung und Verwaltung des Heiligengeistfeldes dem Bezirk Hamburg-Mitte. Dazu gehören der kontinuierliche Unterhalt des Geländes aus dem städtischen Haushalt (verwaltet von der Finanzbehörde) bzw. dem daraus hervorgehenden Etat des Bezirks und die Deckung der anfallenden Kosten für Instandhaltung und Nutzung bei Veranstaltungen. Die Koordination der Veranstaltungen wird von der Wirtschaftsbehörde (Amt für Marktwesen) durchgeführt. Diese - gelegentlich auch Domreferat genannte - Dienststelle stellte die zweckentsprechende Nutzung sicher schließt die Verträge mit den Veranstaltern bzw. Schaustellern.

Zu den Veranstaltungen zählen in den 90er-Jahren - neben dem alljährlich dreimal stattfindenden Dom - z.B. Zirkus- und Theater-Gastspiele (Zirkus Renz, Cirque du Soleil) oder Bungee-Springer, aber auch Kunstaktionen (Neumann, 1994).

Im Grundbuch der FHH/Bezirk Mitte ist der unbebaute Teil des Heilgengeistfeldes zusammen mit dem sog. "Feldeck" als zusammenhängendes Flurstück 1630 eingetragen (siehe Vermessungsplan des Kataster- und Vermessungsamtes vom 25.4.1994, StA/FHH-PK 134-1: 1994.1).

Von Zeit zu Zeit werden Überlegungen angestellt, die Zuständigkeit für alle mit dem Heiligengeistfeld in Zusammenhang stehenden Angelegenheiten (Instandhaltung, Nutzung, Betrieb, Kosten und Einnahmen) bei der Wirtschaftsbehörde (Senator Mirow/SPD) zu zentralisieren. Hinzu kommen immer wieder Planungen, einen Teil des Heiligengeistfeldes (z.B. Projektstudie für das Parkhaus Feldeck) oder der anliegenden Straßen (Parkpalette Glacischaussee) zu bebauen. Daran beteiligen sich sowohl die Baubehörde (Senator E. Wagner/SPD, ehem. Oberbaudirektor E. Kossak) wie auch die Stadtentwicklungsbehörde (Senator W. Maier/GAL). Letztere strebt einen größeren Einfluß auf die Nutzung des Heiligengeistfeldes im Rahmen der Planungen zur City-Aufwertung durch Verkehrs- bzw. Stellplatzverlagerung aus der City in die citynahen Gebiete vor dem Wallring an - nicht zuletzt zu Lasten des Stadtteils St. Pauli und insbesondere des direkt angrenzenden Karolinenviertels, obwohl dieses durch die Struktur, den weitaus überwiegenden, denkmalschutzwürdigen Altbaubestand (siehe Stadtbilduntersuchung des Landesplanungsamtes für den Bezirk Hamburg-Mitte, Februar 1984; StA/FHH-PK 134-1: 1984.1) und die fortschreitende Sanierung eindeutig als Gebiet zu bezeichnen ist, das keinerlei zusätzliche Verkehrsbelastung verträgt (siehe auch das entsprechende Verkehrsgutachten des Jahres 1992).

 

7. Z E I T T A F E L (vorläufig)

811 Errichtung der ersten St.Marien-Kirche (Vorläuferin des Mariendoms)
1246/47 Stiftung des Heiliggeistklosters durch Heilwig von Schauenburg
12.. Verleihung der Stadtrechte und des Hafenprivilegs
14.. Reformation (Hamburg wird ev.-luth.)
1497 Erste urkundliche Erwähnung des "Heiligen-Geist-Feldes"
1564 Anlage der Pestfriedhofe außerhalb der alten Wallanlagen westlich der Stadt
1609-26 Bau der neuen Wallanlagen durch Jan van Valckenburgh
1622 Gebietstausch zwischen dem Senat und der Stiftung des Hospitals zum Heiligen Geist: Der Senat erhält alle Flächen aus Stiftungseigentum innerhalb des neuen Wallringes (bis auch die mit Hospital, Kirche und Friedhof bebauten Grundstücke am Rödingsmarkt) im Austausch für zwei Pachthöfe in Horn und eine jährliche Kornrente.
1682 Fertigstellung der Sternschanze auf dem Heimichhuder Heidberg
1686 Besetzung St. Paulis durch Dänische Truppen
1711 Verpachtung des Heiliggeistfeldes an die Knochenhauer vom neuen Schrangen
1820 Der Hamburger Dom-Markt zieht um zum Gänsemarkt, Zeughausmarkt und (alten) Pferdemarkt
1831 Volles städtisches Bürgerrecht für die Einwohner St. Paulis(X21)
1833 Umbenennung des "Hamburgerbergs" in St. Pauli
8.Nov. 1838 Ratsbeschluß über die Ausdehnung der Nachtwache auf die Vorstadt St. Pauli und die Erhebung einer "Nachtwache-Steuer" von ihren Bewohnern
1848 Ausstellung lebender Seehunde ("Meerjungfrauen") durch Carl Hagenbeck auf dem Spielbudenplatz
1857 Expropriation der Knochenhauer im Zusammenhang mit der Anlage des Holstentores
Bau des Geeststammsieles nach den Plänen Lindleys, mit einem Ausläufer in das Karolinenviertel
31.12.1860 Aufhebung der Torsperre und des "Sperrgeldes"
1.1.1861 Millerntor und Nobistor sind von nun an - wie alle anderen Tore - durchgehend geöffnet
1880 Eröffnung des Schlachtenpanoramas nahe am Millerntor auf dem Heiligengeistfeld
1881 Verlegung zahlreicher Dombuden an den Spielbudenplatz und an den (heutigen) Gorch-Fock-Wall´
1. Jan. 1886 Eröffnung der Kunsteisbahn auf dem Heiligengeistfeld
1888 Eröffnung des Hochseepanoramas auf dem Heiligengeistfeld an der Glacischaussee
5.Jan. 1900 Die Marktordnung für den Dom auf dem Heiligengeistfeld wird erlassen.
1900 Der Hamburger Weihnachts-Dom findet von nun an ausschließlich auf dem Heiligengeistfeld statt.
1912 Fertigstellung der Ringbahnlinie (Haltestellen Millerntor und Feldstrasse)
1914-18 1. Weltkrieg
Sommer 1939 Abbruch der Windmühle am Nordrand des Heiligengeistfeldes
1.9.39-8.5.45 Zweiter Weltkrieg
1942 Errichtung der Hochbunker 1 und 2
 

8. ANMERKUNGEN

(1) Fritz Schumacher, 1924
(2) Im Widerspruch zu dieser Annahme steht allerdings die bei Reincke (1949) beschriebene allmähliche Umwandlung bischöflicher Ländereien der Siedlung "Borstel" in Eigentum des Hospitals durch Ankauf.
(3) Gemeint ist hier das östliche Ende der heutigen Grabenstraße. Die damals noch durchgehende Kampstraße (anderorts auch als "Am Schlachthof" bezeichnet) verband die Sternstraße und die Carolinenstraße direkt miteinander, bevor das Schlachthofgelände vollständig neu eingefriedet wurde.
(4) Der genannte Münchhausen'sche Hof lag - lt. Stadterbebuch - auf dem Valentinskamp.
(5) Die genannte Abschrift wurde am 23. November 1876 vom Senats-Archivarius, Dr. Otto Beneke, unterzeichnet und gesiegelt.)
(6) Diese Institutionen wurden im Jahre 1870 nach dem Abbruch der Klöster und der bereits 1860 durchgeführten gesetzlichen Trennung von Staat und Kirche zu einer einzigen Stiftung zusammengefaßt, die bis 1943 ihren Sitz in Eilbek hatte und deren Verwaltung die 15 Gemeindeältesten der fünf Hauptkirchengemeinden als Nachfolger der Oberalten besorgten. 1825 war das Maria-Magdalenen-Kloster abgebrochen und an seiner Stelle die Börse errichtet worden (siehe dazu bei Lohmann, Rath- und Bürgerschlüsse, Bd. V, S. 26: "Bedingungen mit dem Vorstande des Maria-Magdalenen-Klosters wegen Überlassung der Gebäude und freien Räume auf dem Adolphs-Platze"). 1832 wurden die Kirche und das alte 'Hospital zum Heiligen Geist' am Rödingsmarkt ebenfalls abgebrochen und der Platz mit Wohnhäusern und einem neuen Hospitalgebäude, das bis 1883 genutzt wurde, bebaut.
(7) Gemeint ist hiermit die "Landstraße nach Pinneberg", die heutige Budapester Straße.
(8) Siehe hierzu: Lohmann: Rath- und Bürgerschlüsse, Bd. IV: 78: Beilegung des Namens 'Vorstadt St.Pauli'.
(9) Eines der letzten Zeugnisse dafür bildet die heute noch existierende Budenreihe in der Marktstr. 7 im Karolinenviertel.
(10) Das solche Veranstaltungen nicht auf das 19. Jahrhundert beschränkt waren, zeigt im übrigen ein Gastspiel des Musicals "Der Zauberwald" Anfang 1997 in einem Zelt auf dem Heiligengeistfeld. Dazu findet sich am 31.1.1997 ein Bericht im Hamburger Abendblatt vom 31.1.1997 unter dem Titel: "Pferde-Musical auf dem Heiligengeistfeld". (Allerdings wird nichts darüber berichtet, ob wiederum die 'männliche Jugend' besonders von den Darbietungen angetan war.)
(11) Dies ist der Jahrestag der "Völkerschlacht" der vereinigten preußischen, österreichischen und polnischen Truppen gegen die Armee Napoleons I. bei Leipzig im Jahre 1813.
(X11) Siehe hierzu: Lohmann: Rath- und Bürgerschlüsse, Bd. II: 36 (Demolierung der Festungswerke, 1804) u. 45 (1819); Bd. II, 109: Erweiterte Entfestigungs-Vorschläge und Verlängerung der Jungfernstieg-Promenade (1825).
(X13) Bei Gaedechens heißt es weiterhin:
"Später kommt der Hof [gemeint ist wohl das bischöfliche Anwesen Borstel] mehrfach vor und man erkennt, daß er das ganze Heil.-Geist-Feld und den Theil der Neustadt bis zu den Kohlhöfen und der Schlachterstraße umfaßte. ..... Der ganze der Stadt gehörige Bezirk vor der Westseite wurde von den beiden Mühlenherren [d.h. zwei damit beauftragten Senatoren] verwaltet, ... . Noch im 18. Jahrhundert stand der westlich außerhalb der Stadt liegende Bezirk unter dem zweiten Mühlenherrn und bildete die Landherrenschaft Hamburgerberg." (Gaedechens, 1879: 111/112)
(X14) Zu den Perversionen der NS-Zeit und ihrer - u.a. von osteuropäischen Zwangsarbeiter/inne/n gebauten - Bunker gehört im übrigen auch, daß in den schalldichten Räumen in den Kellern eines der Bunker GeStaPo-Opfer gefoltert wurden. Zu Ihnen gehörte u.a. der Widerstandskämpfer Carl Schultz, der hier noch am 6. April 1945 gequält wurde, um Namen von Angehörigen seiner Gruppe preiszugeben (siehe dazu: Kürschner-Pelkmann, 1994).
(X15) Das Drachensteigenlassen ist übrigens auch in einem Couplet des Gesangstrios "Gebrüder Wolff" aus den 20er-Jahren "verewigt" (siehe: Beitrag zur Kunstaktion von Jens Huckeriede im Jahre 1995 im Katalog zur Ausstellung " Schatten", Altonaer Museum, 1998).
(X16) Verhandlungen und Beschlüsse, die zum Abbruch des St.Marien-Doms führten sind dokumentiert in: Lohmann, Hamburgische Rath- und Bürgerschlüsse, Bd. I, S. 15 u. 24: "Acquisition des hiesigen Domstifts und desfaltige Verhandlungen" (1803); Bd. I, S. 25: "Uebereinkunft mit dem Domkapitel" (1804).
(X17) Siehe zur Enteignung "Englische[r] Waaren" bei Lohmann, Rath- und Bürgerschlüsse, Bd. I, S. 55 u. 57: "Proponierte Abgabe und Anleihe von Declaranten derselben" (1807).
(X18) Verhandlungen und Beschlüsse zur Schleifung der Wallanlagen ("Demolierung der Festungswerke"), sowohl aus der Zeit vor wie nach der französischen Besatzung, finden sie in Lohmann, Rath- und Bürgerschlüsse, Bd. I, S. 36 u. 45 (1804) und Bd. II, S. 45 (1819). Hinzu kommen 1825 "Erweiterte Entfestigungsvorschläge und Verlängerung der Jungfernstieg-Promenade" in Bd. II, S. 109.
(X19) C.F.Gaedechens, "crucepenninge" (1879): "Ein Theil der Hospitalländereien war den Mühlenherren verpachtet, welche 1420 dafür eine Ackermiethe von 28 ß bezahlten (...)." (S.111) "Der ganze der Stadt gehörige Bezirk vor der Westseite wurde von den beiden Mühlenherren verwaltet, (...). Noch im 18. Jahrhundert stand der westlich außerhalb der Stadt liegende Bezirk unter dem zweiten Mühlenherrn [Senator] und bildete die Landherrenschaft Hamburgerberg." (S. 112)
(X20) Siehe hierzu bei Lohmann, Rath- und Bürgerschlüsse, Bd. III, S. 7: "Trennung der Land-Obrigkeitlichen Rechte und Functionen der geistlichen Stiftungen von den Verwaltungen" und S. 49 sowie S. 53: "Anordnung neuer Obrigkeiten".
(X21) Siehe hierzu bei Lohmann, Rath- und Bürgerschlüsse, Bd. IV, S. 75: "Definitive Bestimmungen und Anordnungen für die beiden Vorstädte St Georg und St.Pauli, als: städtische Zugestehungen; kirchliche Verfassung; Theilnahme an den bürgerschaftlichen Deliberationen und Resolutionen; Justiz-Verwaltung; ermäßigte Sperre im Stein- und Deichthor; Wahlfähigkeit zu den bürgerlichen Departments."
 

9. VERZEICHNIS VERWENDETER ABKÜRZUNGEN

HÖB Hamburger Öffentliche Bücherhallen
MHG Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte
StaBi Staats- und Universitätsbibliothek "Carl von Ossietzky"
StA/FHH Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg
StA/FHH-PK Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg - Plankammer
ZHG Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte
 

10. L I T E R A T U R

Ungedruckte Quellen
Commerzbibliothek der Hamburgischen Handelkammer
Handschriften S 875 und S 884-887.

darin enthalten:
Bestallungen, Contracten und andere Nachrichten dem Hospital zum Heiligen Geist und Maria-Magdalenen-Kloster angehend. (Manuskript in 2 Heften; Bd. 1: 18. Jhdt., Bd. 2: um 17. - 18. Jhdt.). Hamburg, Commerzbibliothek: S 884.

Staatsarchiv Hamburg (StA/FHH):
Staatsarchiv Hamburg, BESTAND 611-3:
Archiv des Heiligen Geist-Hospitals und St.Maria-Magdalenen-Klosters (StA/FHH, Bestand HGH). Bestandsverzeichnis (2 Bände).

darin enthalten:
"E.Oberalten verhauren das Land ausser dem Millernthore, nachdem Sel. Paul Vagedes Wwe, nach den wegen mit dem E.Rathe entstandenen Grenz Streitigkeiten, die Korn Rente mehrere Jahre nicht bezahlt war, nunmehr wiederum an dieselbe und nach ihrem Tode an Wilken van Outen gegen Roggenhauer und mit Abmachung der zurückständigen Schulde der Vagedeschen von vier Wispeln." (Urkunde vom 21. Juli 1574)
StA/FHH, Lit.K "Urkunden betr. das Hospital Landgebiet, 1566-1717, Nr. 1-15", [Threse] Zz8 "Vergleich zwischen E. Oberalten als Vorsteher des H.Geist Hosp. und Vter. der Kämmerei wegen Abtretung des s.g. Heil. Geist Feldes an das Gemeine Gut der Stadt v. 30. Aug 1622" StA/FHH, Threse I: Zz 37
(Anmerkung: Diese Urkunde wurde nach Ablösung der Kornrente im Jahre 1881 als Originalurkunde in den Bestand HGH aufgenommen.) [Bestandsverzeichnis, Bd. 2; S. 125]
Abschnitt IV. Vor dem Millernthor und in Horn, passim in Billwärder.
1. Grundhauer von den Höfen außerhalb des Millern- und Scharthores, 1608-1668.

Staatsarchiv Hamburg, BESTAND 411-2:
Patronat St.Pauli (mit Landherrenschaft Hamburg Berg). Bestandsverzeichnis (2 Bände).

Beauftragung des Feldmessers Olbers mit der Vermessung der zur Landherrenschaft Hamburger Berg gehörenden Felder und Wiesen.
StA/FHH 411-2: III 377 (1754)

Gesuch des Müllers Bong um Anlage einer Roßmühle neben seiner Windmühle auf dem Heiligengeistfeld.
adj.: Kontrakte der Kämmerei mit der Brüderschaft der Knochenhauer im Neuen Schrangen über die Verpachtung des Heiligengeistfeldes, 1711-1820. [beglaubgte Auszüge in Abschrift]
StA/FHH 411-2: I A 1876 (1839)

Öffentliche Fußsteige auf dem Heiligengeistfeld und Behinderung ihrer Benutzung durch den Schäfer des Müllers Borg.
StA/FHH 411-2: II A 4599 (1845)

Gleichsetzung der Grundsteuer in St. Pauli mit der städtischen.
Darin enthalten:
An einen Hochedlen und Hochweisen Rath der freien Stadt Hamburg:
Ergebenste Supplication abseiten der unterzeichneten Grundeigentümer der Vorstadt St. Pauli.
Betreffend: Gleichstellung der Grundsteuer der Vorstadt St. Pauli mit der städtischen. Als Manuskript für die Unterzeichner gedruckt (von J.C.H. Rüter, St. Pauli).
StA/FHH 411-2: II A 6900 (1847)

Expropriation von Joachim Michael Schuldt Platz am Pilatuspool und der Nutznießung des Heiligengeistfeldes durch die Brüderschaft der Knochenhauer am neuen Schrangem.
StA/FHH 411-2: II D 4974 (1857)

Verpachtung und Benutzung des Heiligengeistfeldes [durch militärische Einheiten]
StA/FHH 411-2: II E 5722 (1860-1867)

Versammlung des Arbeitervereins auf dem Heiligengeistfeld.
StA/FHH 411-2: II G 5499 (1865)

Zur Anlage und Unterhaltung neuer Wege:

Projektierte Wegeanlagem auf dem Heiligengeistfeld.
StA/FHH 411-2: II L 4320 (1870)

Fußweg über das Heiligengeistfeld.
StA/FHH 411-2: II L 4131 (1872-1874)

Beleuchtung des Fußweges über das Heiligengeistfeld.
StA/FHH 411-2: II N 440 (1874)

Staatsarchiv Hamburg - Plankammer (StA/FHH-PK),
BESTAND 287-7: Kultur und Brauchtum / Volksleben, Außerberufliche Sitten und Gebräuche / Öffentlicher Bereich: "Dom, Weihnachtsmarkt"

Staatsarchiv Hamburg - Plankammer (StA/FHH-PK):
BESTAND 134-1: Karten und Pläne der Vorstadt & Landherrenschaft Hamburg Berg / Patronat & Stadtteil St. Pauli

Theile des Hamburgischen Gebietes:
Graentz-Carte auf welchem die Hamburgische und Altonaishe Scheidung nebst den Graentz-Pfählen von der Elbe bis nach dem St.Johannes-Kloster-Lande angedeutet wird. Anno 1737 M§ Mertz aufgenommen, verfertigt und übergeben.
(Kopie nach einem Original in der Commerzbibliothek, H 319/1/Gr.Fol.) StA/FHH-PK P34b/134-1: 173.71

Gemeinschaftlich gemachte Graentz-Charte, worauf sich der Graentz-Vergleich de dato Altona, den 17. November 1740 beziehet, und worauf die Graentz-Zeichen zwischen der Stadt Hamburg und Altona beschrieben, und die Graentz-Steine nach der Ordnung dess Rezesses mit ihren Nummern und Buchstaben angedeutet werden. [ca. 1741]
1. Ex.: StA/FHH-PK 134-1: 174.01 (aus dem Bestand des ehem. Stadtarchivs Altona)
2. Ex.: StA/FHH-PK 134-1: 174.01 a (aus der Threse des Staatsarchivs/FHH, Lit. K, No. 60 b)

"Grundriss des Hamburgerberges von der Elbe her bis auf das Heiligengeistfeld nach seiner jetzigen Beschaffenheit". Hamburg, d. 14. Nov. 1817. J.T. Reinke.
StA/FHH-PK 134-1: 181.71 bzw. 181.71 a (2 identische Exemplare)

"Grundriß der Gegend bei der Oelmühle".
1. Ex.: StA/FHH-PK 134-1: 181.91 (vom 22. Januar 1819)
2. Ex.: StA/FHH-PK 134-1: 181.93 (vom 5. April 1820)

"Grundriß der Gegend zunächst außerhalb dem Millern- und Dammthor ...".
Hamburg, den 25. Jan. 1822.
StA/FHH-PK 134-1: 182.21

"Topographischer Plan enthaltend Hamburger Umgebungen zwischen dem Altonaer u. Damm-Thor bis nördlich zum Rosenhofe und Grindeln" vom 3. Novber 1825.
StA/FHH-PK 134-1: 182.54

"Grundriss der Vorstadt von Hamburg St. Pauli";
Herausgegeben von dem Stadt-Ingenieur P.G. Heinrich, 1836 (mehrfach nachdruckt und ergänzt).
1. Ex.: StA/FHH-PK 134-1: 183.61.1
2. Ex.: StA/FHH-PK 134-1: 183.61.2 (koloriertes Ex.)
3. Ex.: StA/FHH-PK 134-1: 183.64.4 (mit Höhenlinien in Fuß)
4. Ex.: StA/FHH-PK 134-1: 183.64.5 (mit farbiger Abgrenzung der Vorstadt)

"Hoehenkarte der Vorstadt St. Pauli, der Vogteien Rothenbaum und Harvestehude und eines Theiles von Eimsbüttel und Eppendorf", Mai/Juni 1844.
StA/FHH-PK 134-1: 184.42

"Grundriss des Kirchspieles St.Pauli umfassend die Vorstadt St.Pauli (ausgenommen die Bartelsstrasse, Altonaerstrasse und die Westseite der neuen Rosenstrasse) die Vogtei Rotherbaum und die Elbinseln Steinwärder Grevenhof Rugenbergen Waltershof und Ross" (zuerst 1850; mehrfach revidiert bis 1865)
StA/FHH-PK 134-1: 184.91

"Situationsriss, Anlage No. 2: Zum gemeinschaftlichen Bericht Hamburg und Altona, den 10. Nov. 1858 gehörig" (P.G. Heinrich / O. Winkler)
StA/FHH-PK 134-1: 185.81

Unbezeichnete Karte aus "CHs Fuchs' Lith. Institut Hambg." (ca. 1869)
StA/FHH-PK 134-1: 186.92

Unbezeichnete Karte aus dem Bestand der "Behörde für Technik und Arbeit / Vermessungswesen" (ohne Maßstab; ca. 1916)
StA/FHH-PK 134-1: 191.61

Stadtbild Hamburg: St.Pauli-Nord/Karolinenviertel;
Stadtbilduntersuchung, Bezirk Hamburg-Mitte, Ortsteil 108 (Maßstab 1:1000);
Stand: Februar 1984;
hrsg. von der FHH / Landesplanungsamtes LP42
StA/FHH-PK 134-1: 1984.1

FHH / Bezirksamt Hamburg-Mitte, Kataster- und Vermessungsamt,
Flächenbescheinigung gemäß Schreiben vom 25.4.1994: Hamburg-Heiligengeistfeld / Gemarkung St.Pauli-Nord (ungef. Maßstab 1:1000).
StA/FHH-PK 134-1: 1994.1

Gedruckte Quellen
Hamburgische Rath- und Bürgerschlüsse vom Jahre 1857; gedruckt bei Theodor Gottlieb Meißner, Eines Hochedlen und Hochweisen Raths Buchdrucker [mit Anlagen und Plänen]. Hamburg, 1858.

Hamburgisches Urkundenbuch

  • Bd. I; hrsg. von Joh. Martin Lappenberg. Hamburg, 1842.
  • Bd. II, Abt. 1; hrsg. von Anton Hagedorn. Hamburg, 1911.
  • Bd. II, Abt. 2; hrsg vom Staatsarchiv Hamburg (H. Nirrnheim). Hamburg, 1930.
  • Bd. II, Abt. 3; hrsg. vom Staatsarchiv Hamburg (H. Nirrnheim). Hamburg, 1939.
  • Bd. III (Register und Nachträge zu Bd. 2); hrsg. vom Staatsarchiv Hamburg (H. Nirrnheim). Hamburg, 1953.
  • Bd. IV; hrsg. vom Staatsarchiv Hamburg (J. Reetz). Hamburg, 1967.

Lappenberg, Joh. Martin
Die milden Privatstiftungen zu Hamburg. Hrsg. auf Veranlassung des Vereins für Hamburgische Geschichte.
Hamburg, 1845.
- ders.
Hamburgische Chroniken in Niedersächsischer Sprache.
Hamburg, 1861.

Staphorst, Nicolaus
Hamburgische Kirchengeschichte. Theil I, 1-4. Theil II, 1.
Hamburg, 1723-1729.

Sekundärliteratur
Albrecht, Hans
Das Hospital zum Heiligen Geist.
in: Aus Hamburgs Kirchen 1529-1929. Festschrift zum Reformationsjubiläum 1929;
hrsg. von Theodor Knolle. Hamburg, 1929.

Apel, Gustav

Die Güterverhältnisse des hamburgischen Domkapitels.
Hamburg, 1934 (Diss. phil.).

Architekten- und Ingenieur-Verein zu Hamburg (Hrsg.)
Hamburg und seine Bauten unter Berücksichtigung der Nachbarstädte Altona und Wandsbek. Zur IX. Wanderausstellung des Vereins deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine in Hamburg vom 24.-28. August 1890 herausg. vom ...
Hamburg: Kommissionsverlag Otto Meißner / Selbstverlag des Vereins, 1890.

Baasch, E.
Zur Geschichte des Hospitals zum Heil. Geiste in Hamburg.
in: MHG - Mittheilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte,
11. Jg./No. 7 (Juli 1888): 265-266. (Hamburg, 1888)

Ballheimer, Rudolf
Zeittafeln zur Hamburgischen Geschichte, Bd. 1-5.
Hamburg, 1895-1916.

Beckershaus, Horst
Die Hamburger Strassennamen. Woher sie kommen und was sie bedeuten
- komplett von A-Z.
Hamburg: Kabel-Verlag / Hamburger Abendblatt, 1997.

Bertheau, Carl
Zur Topographie von St. Pauli.
in: MHG - Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte, Bd. 7: 403.
(Hamburg, 1902)

Bertram, Ferdinand
Mein Hamburg. Heimatkundliche Spaziergänge und Plaudereien.
Zweiter Teil: Die innere Stadt.
Hamburg / Braunschweig: Verlag von Georg Westermann, 1921.
[darin: Heiligengeistfeld, S. 167-171]

Boedecker, Dieter
Die Entwicklung der Hamburgischen Hospitäler seit Gründung der Stadt bis 1800 aus ärztlicher Sicht. Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Werner Selberg (Hamburg).
Hamburg: Kurt Heymann Verlag, 1977.

Bohnsack, Hans-Joachim
Die Finanzverwaltung der Stadt Hamburg. Ihre Geschichte von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg.
(= Beiträge zur Geschichte Hamburgs, Bd. 43. Herausgegeben vom Verein für Hamburgische Geschichte)
Hamburg: Verlag Verein für Hamburgische Geschichte, 1992.

Bolland, Gustav
Hamburg, wie es einmal war. An Hand eines Kupferstiches von Arnoldus Pitersen aus dem Jahre 1644.
Hamburg: Verlag "Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul- und Erziehungswesens", 1953 (2. Aufl.).

Bose, M. / Holtmann, M. / Machule, D. / Pahl-Weber, E. / Schubert, D.
>> ... ein neues Hamburg entsteht ...<<. Planen und Bauen von 1933-1945.
Herausgegeben von der Technischen Universität Hamburg-Harburg, Forschungs- schwerpunkt 6 "Stadterneuerung und Werterhaltung", Städtebau I.
(= Beiträge zur städtebaulichen Forschung, Bd. 2)
Hamburg: VSA-Verlag, 1986.

Boysen, C. (Hrsg.)
Hamburgs Schlachthof und Viehmarkt-Anlagen.
Hrsg. im Auftrage der Schlachthof-Deputation von C. Boysen (Direktor).
Hamburg: Verlag von Otto Meißner, 1897.

Engels, Hans-Werner
"Wo ein St.Paulianer hinhaut, wächst so leicht kein Gras wieder" - St. Pauli und die Revolution von 1848/49.
in: Berlin, Jörg (Hrsg.): Das andere Hamburg. Freiheitliche Bestrebungen in der Hansestadt seit dem Spätmittelalter (Köln: Pahl-Rugenstein, 1981. S. 93-115).

Gaedechens, C.[ipriano] F.[rancisco]
"crucepenninge" [Erwiderung zum Vortrag von K. Koppmann über Kreuzpfennige; gehalten auf Einladung des Vereins für Hamburgische Geschichte]
in: MHG - Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte, 2. Jg./No. 7 (Mai 1879): 109-112.
(Hamburg: Meißner, 1879)
- ders.
Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg und ihrer nächsten Umgebung von der Entstehung bis auf die Gegenwart. Mit 3 Karten.
Hamburg, 1880 (2.Aufl.).
- ders.
Geschichte des Hospitals zum Heiligen Geist in Hamburg.
in: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Bd. VIII: 343-420
(Hamburg: Lütcke & Wulff, 1888).
[darin: Verzeichnis der einzelnen Erwerbungen des Hospitals, S. 344 ff.]

Goecke, Michael
Stadtparkanlagen im Industriezeitalter: Das Beispiel Hamburg (= Geschichte des Stadtgrüns, Bd. V)
Hannover / Berlin: Patzer-Vlg., 1981.

Hagenbeck, Carl
Vin Tieren und Menschen. Erlebnisse und Erfahrungen.
__________, 1908 [oder: 1909].

Hanke, Christian
Hamburgs Strassennamen erzählen Geschichte. Mit Stadtteilrundgängen, Karten und Fotos.
Hamburg: Medien-Verlag Schubert, 1997.

[von] Heß, J.[onas] L.[udwig]
Hamburg topographisch, politisch und historisch beschrieben.
Hamburg, 1796 (1. Aufl.); 1811 (2. Aufl.).

Heyden, W.
Öffentliche Feste in Hamburg zur Erinnerung an die Befreiungskriege.
in: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte,
Bd. XXII (1918): 199-213.
(Hamburg: W.Mauke und Söhne)

Hipp, Hermann
Freie und Hansestadt Hamburg. Geschichte, Kultur und Stadtbaukunst an Elbe und Alster.
(DuMont Kunst-Reiseführer)
Köln: DuMont, 1996 (3.Aufl.).
- ders.
"stadtgeschichte" [Kurzer Abriß der Hamburger Baugeschichte].
in: stadtdialog Hamburg, Nr. 3 (Mai 1995): 8-10.
Hamburg: Stadtentwicklungsbehörde, 1995.

Höhns, Ulrich (Hrsg.)
Das ungebaute Hamburg. Visionen einer anderen Stadt in architektonischen Entwürfen der letzten 150 Jahre.
( = Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs. Hrsg. von Ullrich Schwarz und Hartmut Frank im Auftrag der Hamburgischen Architektenkammer.)
Hamburg: Junius, 1991.
darin:
U. Höhns: "Hansagarten" und "Sport-Dome".
Die hundertjährige Suche nach einer großen Halle. (S. 30-45)

Klaussmann, A. Oskar
Auf dem Dom zu Hamburg. Skizzen vom Spielbudenplatz.
in: "Moderne Kunst" (Zeitschrift; o.J., ca. 1900).

Klessmann, Eckart
Geschichte der Stadt Hamburg.
Hamburg: Hoffmann u. Campe, 1994 (7. erw. Aufl.).

Koppmann, Karl
Hamburgs kirchliche und Wohltätigkeitsanstalten im Mittelalter.
Hamburg, 1870.

Koschany, Helmut
Ein Bürgerverein und sein Stadtteil.
Serie zum 150jährigen Bestehen des St.Pauli-Bürgervereins.
in:
Bürgerzeitung, 1993
Folge 1 in Nr. 2/1993
Folgen 2-6 in Nr. 4-8/1993
Folgen 7-8 in Nr. 10-11/1993

Kürschner-Pelkmann, Frank
Der Amüsier-Platz. Auf dem Heiligengeistfeld ist seit 730 Jahren Platz - auch für Hamburgs große Lustbarkeiten. ...
in: Hamburger Abendblatt, 12./13. März 1994.

[von] Lehe, Erich / Ramm, Heinz / Kausche, Dietrich
Heimatchronik der Freien und Hansestadt Hamburg.
Köln: Archiv f. Deutsche Heimatpflege GmbH, 1967 (2.Aufl.).

Leverkus, C. Erich
Marcus Selcke, Hofmeister des Hospitals zum Heiligen Geist von 1627 bis 1645.
Eine Weihnachtsgabe für Freunde Hamburgischer Orts- und Familiengeschichte
vom Bankhaus Wilhelm RÇe jr.
Hamburg, 1968.

Lohmann, Peter David (Hrsg.)
Hamburgische Rath- und Bürgerschlüsse mit getreuen Auszügen aller den Raths-Propositionen hinzugefügten Beylagen (5 Bände),
Bd. 5: -, vom Jahre 1836 bis zum Ende des Jahres 1840 nebst Generalregister über den ersten bis fünften Band (Hamburg, 1841).
Hamburg: Joh. Aug. Meißner. Eines Hochedlen und Hochweisen Raths Buchdrucker, ____ - 1841.

Mathieu, Kai
Der Hamburger Dom. Untersuchungen der Baugeschichte im 13. und 14. Jahrhundert
(1245-1329) und eine Dokumentation zum Abbruch in den Jahren 1804-1807.
(= Mitteilungen aus dem MHG, Neue Folge, Bd. VIII)
Hamburg: Museum für Hamburgische Geschichte, 1973.

Meder, __________
Geschichte der Feien und Hansestadt Hamburg.
__________, 1839.

Melhop, W.
Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg von 1880 bis 1895 (nebst vielen Nachträgen aus älterer Zeit) im Anschluß an die "Historische Topographie" von C.F. Gaedechens unter Benutzng amtlicher Quellen verfaßt von W.M., Baumeister der Bau-Deputation. Nebst Mappe mit 7 Karten.
Hamburg: W.Mauke Söhne, vorm. Perthes Besser & Mauke, 1895.
- ders.
Historische Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg von 1880 bis 1895 (nebst vielen Nachträgen aus älterer Zeit): [II. Band] 1895-1920 (mit Nachträgen bis 1923). Neubearb. 2. Aufl. d. 1. Aufl. 1895.
Hamburg: Otto Meißners Verlag, 1923.

Meyer, H.[.....]
Hamburg und Altona nebst Umgebung.
_________, 1836.

Meyer, Johannes
St. Pauli, wie es leibt und lebt.
__________, 1891.

Möller, Kai Robert / Dutz, Werner
750 Jahre Hospital zum Heiligen Geist mit Oberalten-Stift und Maria-Magdalenen-Kloster (FESTSCHRIFT):
Die Geschichte des Hospitals zum Heiligen Geist mit Oberalten-Stift und des Maria-Magdalenklosters von der Gründung bis zur Zerstörung im 2. Weltkrieg (von K.R. Möller) /
Der Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg und die Neubautätigkeit der Stiftung
in den Jahren 1968/1977 (von W. Dutz)
Hamburg: Hospital zum Heiligen Geist, Juli 1977.

Neddermeyer, F.H.
Topographie der Freien und Hanse Stadt Hamburg.
Hamburg, 1832.
- ders.
Zur Statistik und Topographie der Freien und Hansestadt Hamburg und deren Gebietes.
Hamburg, 1845.

Neumann, Dr. J. (Hrsg.)
Hamburgs Viehmärkte und Zentralschlachthof;
im Auftrage der Schlachthof-Deputation herausgegeben von Dr. J. Neumann (Direktor).
Hamburg: Gedruckt bei Paul Babst, 1910.

Neumann, Klaus u.a.
Heiligengeistfeld - eine ortsbestimmung in der vollmondnacht im juni 1994 [= 23./24. Juni 1994]; veranstaltet im rahmen des hamburger architektur sommers 1994
Hamburg: Hochschule für Bildende Künste, 1994.

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Der Spielbudenplatz.
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Die Geschichte der Festwiese [Heiligengeistfeld].
in:
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Otto, Franz
Die rechtlichen Verhältnisse des Domstiftes zu Hamburg von 1719 bis 1802.
Hamburg, 1962.

Reincke, Heinrich
Rezension über: K.H. Schäfer. Die deutschen
Mitglieder der Heiliggeist-Bruderschaft zu Rom am Ausgang des Mittelalters (Paderborn, 1913).
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ZHG - Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Bd. 19 (1914): 126-128.
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- ders.
Hamburg. Ein kurzer Abriß der Stadtgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart.
Bremen: Friesen-Verlag, 1925.
- ders.
Borstel vor der Stadt.
in:
ZHG - Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Bd. 40: 1-25
(Hamburg, 1949).
- ders.
Forschungen und Skizzen zur Hamburgischen Geschichte.
[auch zitiert als: Das städtebauliche Wesen und Werden Hamburgs bis zum Ausgang der Hansezeit.]
(= Veröffentlichungen aus dem Staatsarchiv der Hansestadt Hamburg, Bd. III)
Hamburg: Hoffmann u. Campe, 1951.

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Das Heiligengeistfeld. "Once upon a Time ... Holy Ghost Field".
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Das Karolinenviertel: 200 Jahre Cityerweiterungsplanung.
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"Kiek mol". Stadtteilrundgänge - erarbeitet und aufgeschrieben von Hamburger Geschichtswerkstätten; hrsg. von der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg, 'Stadtteilkultur'.
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Rituale der Erinnerung. Die Maifeiern der Hamburger Arbeiterbewegung zwischen 1890 und 1914.
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Die ehemalige St.Marienkirche oder der Dom zum Hamburg.
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Damals in St. Pauli. Lust und Freude in der Vorstadt.
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Heimatkunde. Topographische, historische und statistische Beschreibung von Hamburg und der Vorstadt St. Georg.
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Der Hamburger Berg. Vorstadt St.Pauli, historisch-topographisch dargestellt.
Hamburg: Otto Meissner, 1879.
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Hamburgs Annehmlichkeiten: von einem Ausländer beschrieben.
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Hamburgs Straßen und ihre Geschichte.
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Rostock: Hinstorff, 1936.

 

Teil 2: Die Funktion städtischer Freiflächen aus stadtplanerischer Perspektive

  • Funktion städtischer Freiflächen:
    (mental map; open space)

  • wichtige Persönlichkeiten der Stadtplanung in Hamburg und Altona:
    • Fritz Schumacher;
    • Franz Andreas Meyer (Ober-Ingenieur in der Baudepuration);
    • Gustav Ölsner;
  • Vergleich mit anderen Großstädten:
    • Moskau: Roter Platz
    • Beijing: Tien-an-men-Platz
    • México Cd.: Zocalo (---> Kathrin Wildner)
 


Ingolf Goritz, Hamburg-St.Pauli
(Stand: 28. Juni 1998)
 

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