Spekulanten den Arsch vergolden

Abzocke vom Feinsten: Über 1,2 Millionen Mark will die Steg in das Lama-Grundstück investieren, um darauf ein Wohnhaus zu bauen. Das Beste daran: Dann ist noch nicht ein einziger Stein vermauert. Die Kosten für den Neubau kommen noch drauf zu. Und alles zusammen soll der Steuerzahler bezahlen.
Es waren einmal zwei schöne alte Häuser mit 36 Wohnungen, die kaufte der Herr Rabels im Jahre 1987 für 140.000 Mark. Zuerst ließ er sie verrotten, dann die Hausbesetzer räumen und als nach Jahren des Stillstandes immer noch nichts passiert war und die Inspektoren von der Behörde allmählich über ein Instandsetzungesgebot nachzudenken begannen, brannte es eines Nachts - ganz zufällig. Jetzt konnten die Gebäude nicht mehr instandgesetzt werden, und kurz darauf verkaufte Herr Rabels die Brandruine für satte 570.000 Mark an den Verein Kinderhaus im Sternikpark. Wie gut, daß der Papa von Herrn Rabels lange Jahre Staatsrat in der Hamburger Baubehörde gewesen ist! Zwar meckerten die Bewohner des Viertels noch ein wenig, daß die Stadt den ihrer Meinung nach viel zu hohen Preis genehmigt und damit Spekulation im Sanierungsgebiet zugelassen hätte. Das ist eigentlich verboten. Aber was soll's: Jetzt hatte Herr Rabels nicht mehr den Schwarzen Peter, sondern viel Geld.

Damit ist die Geschichte von dem bösen Spekulanten Nikolai Rabels zu Ende - die Auseinandersetzungen um das Grundstück Laiszstraße 18/ Marktstraße 95, Lama genannt, sind es noch lange nicht. Nachdem Sternipark e.V. den Haufen Schrott im Juni 1994 für über eine halbe Million Mark erworben hatte, ist zwar viel nachgedacht, geplant und geredet worden. Doch passiert ist bis auf den Teilabriß - der dokumentiert, daß der Wert dieses Grundstückes sich auf einen Trümmerhaufen von Steinen reduziert - nichts. Aus dem zuerst anvisierten Kindertagesheim wurde im Laufe der Jahre eine Mischnutzung aus Gewerberäumen, Sozial- und Jugendwohnungen, beides direkt am Bedarf im Karolinenviertel vorbei. Jetzt steht Sternipark vor einem Problem. Wohin mit dem Schrottgelände?

Wie gut, daß es die Stadterneuerungsgesellschaft, kurz Steg, gibt. Der städtische Sanierungsträger für das Karolinenviertel will Sternipark aus dem Schlamassel heraushelfen. Die Pläne: Die Steg zahlt an Sternipark für das Grundstück 589.000 Mark, für die Abrißkosten 70.800 Mark und für die Architektengutachten, die der Kinderverein in Auftrag gegeben hat, 178.000 Mark. Macht summa summarum 837.800 Mark. Damit aber nicht genug. Um den Trümmerschutt beseitigen zu lassen und Folgemaßnahmen zu finanzieren, sollen der Steg "Kosten der Ordnungsmaßnahmen gem. § 147 Baugesetzbuch" in Höhe von 400.000 Mark bewilligt werden. Diese Zahlen gehen aus Papieren hervor, die in den Behörden kursieren und HH19 zugespielt wurden. Damit hätte die Stadt über 1,2 Millionen Mark für ein Grundstück ausgegeben, das der stadtbekannte Spekulant Rabels jahrelang verrotten ließ und dann für den vierfachen Preis verschacherte.

Bei der Steg ist man frohen Mutes, daß der Deal bald über den Tisch geht. "Die Kommission für Bodenordnung hat den Verkauf in dieser Form zwar abgelehnt. Aber jetzt wird sich der Senat des Themas annehmen", so Steg-Pressesprecher Rüdiger Dohrendorf. Das heißt, die Stadtentwicklungsbehörde wird eine Vorlage erarbeiten, über die der Senat dann abstimmen soll. Klar sei, so Dohrendorf weiter, daß das Grundstück nur für einen "politischen Preis zu haben ist. Aber wir wollen den Schandfleck des Viertels beseitigen". Edles Ansinnen. Warum die Steg dem Privatinvestor Sternipark aber dafür fast 600.000 Mark für ein vermülltes Grundstück zahlen will, auf dem ein Haufen Steine liegt und dessen Boden aufgrund des Brandes in erheblichem Maße mit Chloriden und Sulfaten verseucht ist, wird wohl das Geheimnis der Steg bleiben. Genauso, warum die Stadt fast 400.000 Mark für die Entsorgung des Mülls zahlen soll. Und erst recht, warum sie Sternipark 178.000 Mark für völlig verfehlte Architektengutachten erstatten will. Selbst ein symbolischer Preis von einer Mark wäre noch zu viel für dieses traurige Kapitel hamburgischer Grundstücksspekulation.


Stadtmagazin HH19 (März 1998), von Jörn Breiholz

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