Storr
Storr Am 16. Juli 1990 kommt es in den Räumen des Notariats Dr. Henning Voscherau (damals nebenbei auch Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg) zum Vertragsabschluß über das im Gundbuch des Amtsgerichts Hamburg von Rotherbaum eingetragene, 3.080 qm große Grundstück, gelegen im Hamburger Sternschanzenpark, zwischen der Gesellschaft bürgerlichen Rechts Wasserturm Sternschanze, Frau Ursula Storr und Herr Ernest Joachim Storr, und den Hamburger Wasserwerken. Der Kaufpreis beträgt DM 39.200,00. Das Ehepaar verpflichtet sich, den auf dem Grundstück befindlichen Wasserturm gemäß dem mit den Behörden abgestimmten Konzept zu sanieren, auszubauen und zu nutzen . Das mit den Behörden abgestimmte Konzept sieht auf Dauer eine Nutzung zu 50 % für öffentliche Zwecke vor. Im Gespräch sind eine Therme, Mehrzweckräume sowie die Integration einer Fachschau über Wasserversorgung. Von einem Hotel ist nicht die Rede.

1991 wird der Wasserturm unter Denkmalschutz gestellt. Die Jahre vergehen und nichts passiert. Die Verpflichtung aus dem Kaufvertrag, den Turm zu sanieren, auszubauen und zu nutzen wird schlichtweg ignoriert. Die Behörden kümmert's nicht. Der Turm rottet vor sich hin.

1996 - nachdem die fünfährige Wiederverkaufssperre erloschen ist - fordert Storr plötzlich eine hundertprozentige Nutzung des Turmes als Hotel. Seine neue Kosten-Nutzen-Rechnung begründet er damit, daß die Gewerbemieten nicht so rasant gestiegen seien wie von ihm erhofft und erklärt, daß eine teilweise öffentliche Nutzung des Turmes nicht mit seinen wirtschaftlichen Interessen zu verbinden sei.

Nachdem nun das historische, denkmalgeschützte Gebäude jahrelang dem Verfall überlassen wurde und die GbR Wasserturm Sternschanze ganz offensichtlich ihre Verpfichtungen aus dem Kaufvertrag nicht erfüllt hat, läge es doch nahe, den Vertrag zu wandeln: Geld zurück, Grundstück zurück!? Nicht einmal die Konventionalstrafe von bis zu 50.000 Mark, die die Hamburger Wasserwerke bei Nichterfüllung der Vertragsbedingungen hätten fordern und z. B. für Dachreparaturen verwenden können, wurde von Storr verlangt.

Der "ganz normale Wahnsinn" läuft anders:
Am 19.12.1996 entschied die Bezirksversammlung Eimsbüttel, daß der Wasserturm zum Hotel umgebaut werden darf! Um aufgebrachte Gemüter zu beruhigen, wurden von Storr auf Vorschlag des Bezirksamtsleiters Mantell (SPD) zwei Millionen Mark für soziale Projekte im Viertel versprochen. Von dem Geld ist bis heute kein Pfennig geflossen.

Ende 1998 gelangte dann ein neuer Plan für die Nutzung des Wasserturms an die Öffentlichkeit: Nachdem sich die InvestorInnen des Hotels angeblich wegen der Drogenszene im Schanzenviertel zurückgezogen haben, sollte nun ein 3D-Imax-Kino die Bedürfnisse des Stadtteils (?) und die Gewinnerwartungen der neuen InvestorInnen (!) befriedigen. Neben einem amerikanischen Investmentfond waren Informatiker Stephan Stahl und Physiker Wolfgang Marquardt mit von der Partie. Stephan Stahl r¸hrte mit seiner temporären Website kräftig die Werbetrommel. Doch auch diese Pläne scheiterten: Imax selbst entschied sich gegen die InvestorInnen.

Im April 2000 - beinahe 10 Jahre nach dem Verkauf des Turms - werden die alten Hotelpläne noch einmal hervorgeholt. Dabei wird der Stadtteil von der GAL regelrecht verraten...

Der Wasserturm und die Kehrtwende der GAL