PR-Kampagne statt Stadtentwicklung
oder
Ein Versuch, sich dem Phänomen STEG zu nähern
Der Anlaß:
Im Frühjahr 1998 publizierte die STEG eine als "Firmportrait" betitelte "IMAGE-BROSCHÜRE", sowie die "QN Extra"- Begrünungsbroschüre, Ausgabe Sommer 1998. Das "Firmenportrait" ist eine 18-seitige Selbstdarstellung, wie sie auch von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen bekannt ist. Allgemeinplätze dominieren den Text und bestimmen den Stil.

So finden sich durchgehend Überschriften wie "Wir arbeiten an einer lebendigen Stadt, die für alle da ist" oder "Bei uns arbeiten Menschen ohne Scheuklappen - in Teams suchen wir nach ganzheitlichen Lösungen".

Doch damit nicht genug....

Das Phänomen:
Auf Seite 3 der Image-Broschüre stellt STEG-Geschäftsführer Hans Joachim Rösner das Phänomen STEG vor:

"... Die STEG wächst mehr und mehr in die Rolle des Organisators - oder neudeutsch: des Managers - hinein.

Wir vernetzen Gruppen und Institutionen, greifen Ideen auf, schieben innovative Projekte an, akquirieren private und öffentliche Gelder und betreiben professionelle Öffentlichkeitsarbeit."
Professionelle Öffentlichkeitsarbeit
1. Akt

Helmut M. wurde ohne Honorar, ohne überhaupt informiert zu werden, gleich zweimal publiziert.

In der Begrünungsbroschüre wird er ohne sein Wissen abgebildet. Es entsteht der Eindruck, er habe seinen Garten mit Hilfe des gloriosen STEG-Begrünungstopfes ausgestaltet! Er selbst hat seinen Garten völlig aus eigenen Mitteln finanziert (DM 7.000,00). Als er sich in "QN-Extra" entdeckt, geht er mit der Broschüre zur STEG, um aus dem Begrünungstopf zu schöpfen, denn dort heißt es: "Die Stadt unterstützt Bewohner und Eigentümer in Sanierungsgebieten bei der Begrünung Ihres privaten Hinterhofes. Machen Sie mit und nutzen Sie das Wohnumfeldprogramm der Stadtentwicklungsbehörde." Doch ach! Pech gehabt! Leider kann der Topf nicht im nachhinein ausgeschüttet werden, sondern nur vor Durchführung einer Begrünungsmaßnahme!
Das gleiche Foto findet sich in der Image-Broschüre wieder, neben einem Baustellen-Foto von der Karolinenstraße 26 in einer angeblichen Vorher/Nachher-Konstellation, in welcher suggeriert werden soll: 'Vorher war ja alles so dreckig und matschig, und jetzt ist es so schön grün'.

Alles in allem ist dies eine Vorgehensweise, die im Stil mehr einem Boulevardblatt ähnelt als einem sich seriös gebenden Sanierungsträger.

Karolinenstr. 26
Erst die Arbeit...
Es grünt so grün
und dann...
Fakt ist: Die Baustelle gibt es noch immer, ganz zu schweigen von der Tatsache, daß für eben diese Baustelle ein bereits existierender Garten plattgemacht wurde!
Professionelle Öffentlichkeitsarbeit
2. Akt

Die Bildunterschrift auf Seite 4 der Image-Broschüre ist angesichts der politischen Praxis der STEG etwas dreist: Zum 8. Juli 1998 hat die STEG dem Roma-Club Negotin im Karolinenviertel offiziell wegen Mietschulden fristlos gekündigt. STEG-Geschäftsführer Hans Joachim Rösner will das Gebäude notfalls mit Hilfe der Polizei räumen lassen! Gleichzeitig verlautbart STEG-Pressesprecher Rüdiger Dohrendorf offiziell, daß "die Mietschulden ... uns jetzt juristisch die Möglichkeit (geben), das Mietverhältnis zu beenden."

Unser Ziel:
Eine bunte und lebendige Stadt, die niemanden ausgrenzt
Inzwischen ist es dem Roma-Club gelungen, Geld für die Mietschulden zusammenzubringen, so daß die Kündigung vorerst abgewehrt werden konnte.
Professionelle Öffentlichkeitsarbeit
3. Akt

Kommerz-Zentrun Rinderschlachthalle
Aus der ehemaligen Rinderschlachthalle wurde ein attraktives Zentrum zwischen Karolinen- und Schanzenviertel
Im Jubelton wird die Sanierung der Rinderschlachthalle beschrieben, die von der STEG anfangs als "Stadtteilzentrum" bezeichnet wurde. Das stieß auf Widerstand bei den BewohnerInnen: im Sanierungsbeirat wurde die STEG aufgefordert, diese Bezeichnung nicht mehr zu verwenden, da unzutreffend. Das spricht für sich, doch wir lesen auf Seite 16 der "Image-Broschüre": "Heute kommen die Bewohner abends in das neue Zentrum zwischen Karolinen- und Schanzenviertel, um zu essen und ein Bier zu trinken oder....."

Welche Bewohner denn? Sind etwa wir gemeint? Tatsache ist, daß das Kommerz-Zentrum von den BewohnerInnen des Schanzen- und Karolinenviertels überwiegend abgelehnt wird. Die BesucherInnen kommen fast alle aus anderen Stadtteilen und belästigen die AnwohnerInnen mit Lärm und Autoabgasen. Wer von der größtenteils armen Bevölkerung kann sich ein Rindergeschnetzeltes für 28,50 DM leisten??? E-plus-Laden, Bauchtanzaustattung, Whisky-Laden und Werbeagentur gehen am Bedarf der hier lebenden Menschen vorbei. Vorschläge der BewohnerInnen, wie z. B. die Einrichtung eines Lebensmittelladens oder -stands, wurden von der STEG schlichtweg ignoriert, doch wir lesen auf Seite 5: "Die STEG bringt verschiedene Interessen an einen Tisch; die Menschen vertrauen uns - vor Ort im Quartier genauso wie in den Ämtern und Unternehmen." [sic!]


Graffiti im Karoviertel
Professionelle Öffentlichkeitsarbeit
4. Akt

Unter der Rubrik "Modernisieren und Instandsetzen" mit der STEG lesen wir auf Seite 15: "Und den Freunden erzählen Sie, daß Ihr Strom aus einem ökologischen Blockheizkraftwerk kommt!"

Wenn schon protzen, dann doch bitte sachlich richtig! Bei der Anlage handelt es sich nicht um ein Kraftwerk, das würde nämlich auch Strom erzeugen, sondern um ein schlichtes Heizwerk, das zwar nicht unökologisch ist, aber lediglich Heizung und Wasser erwärmt.

'Ihre Freunde werden Sie beneiden!' Oder werden sie nicht eher nachsichtig lächeln?

Soviel zur "professionellen Öffentlichkeitsarbeit" der STEG.

Doch damit nicht genug....

Mit fremden Federn schmücken
1. Akt

Die STEG wirbt in ihrem "Firmenportrait" ebenfalls mit einem barrierefreien Wohnprojekt in der Lippmannstraße. Der Begriff "barrierefrei" wird von der STEG nicht einmal erklärt.
Haus ohne Barrieren
Das darin praktizierte "zukunftsweisende Gesamtkonzept" wurde haarklein abgekupfert von einem Projektentwickler zukunftsweisender Wohnformen, der seinerseits mit diesem Konzept versucht hatte, ein Wohnungsbauprojekt zu verwirklichen, aber von der STEG mehrfach abgebügelt wurde.
Mit fremden Federn schmücken
2. Akt

Das Titelbild der "QN-Extra"-Begrünungsbroschüre zeigt ein Foto aus den Anfängen der Häuserkampfbewegung. Solch ein Foto ideologisch für ein behördliches Hinterhofbegrünungsprogramm zu reklamieren, ist eine durch nichts mehr zu überbietende politische Dreistigkeit.
QN-Extra Begrünungsbroschüre
Wie kommt die STEG dazu, derartige Schlampereien und Dreistigkeiten in einer hochoffiziellen Broschüre zu verbreiten? Die Erklärung ist ganz einfach: das Heftchen richtet sich vorwiegend an AdressatInnen, die niemals ihren dicken Zeh über die Schwelle dieses Viertels setzen werden. Aalglatt wird eine Image-Aufwertung angestrebt, nicht zu vergessen die langfristige Gewinnmaximierung. Wo soll es hinführen, wenn Städte wie Betriebe verwaltet werden?
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