Elbwasserwerk und späteres Grundwasserwerk Kaltehofe
Filterbrunnen
Als im Jahr 1848 die Stadtwasserkunst in Rothenburgsort in Betrieb genommen wurde, gelangte das Elbwasser ungefiltert in die Hamburger Haushalte. Man war der Meinung, daß 3 km oberhalb der Stadt das Wasser sauber genug sei und begnügte sich mit einer Anlage von Teichen, in denen sich die groben Schmutzteilchen absetzen konnten.

Da sich die Ablagerungszeit des Wassers durch erhöhten Wasserverbrauch verkürzte, forderte der Erbauer der Anlagen in Rothenburgsort, W. Lindley, 1853 erstmals Filteranlagen, um das Elbwasser weitgehend von Keimen befreien zu können. Durch Streitereien, ob Filteranlagen überhaupt nötig seien, verzögerte sich der Bau um Jahrzehnte. Inzwischen war die Ablagerung durch den ständig steigenden Wasserverbrauch fast unwirksam geworden, so daß es sich vom Elbwasser kaum noch unterschied. Hinzu kam, daß in den Wasserleitungen, wo die Strömung langsamer war, die Rohrwände mit Muscheln bedeckt waren, zwischen denen eine große Zahl von Würmern lebte. 1876 traten zudem massenhaft Aale in den Leitungen auf. Die Unzufriedenheit der Hamburger Bevölkerung mit der Wasserversorgung wurde durch spöttiche Reime zum Ausdruck gebracht:

     "Vom Tier im Hamburger Wasserrohr
    Da kommen 16 Arten vor:
    Ein Neunaug', Stichling und ein Aal
    Drei Würmer leben in dem Strahl
    Drei Muscheln und drei träge Schnecken
    Sich mit der muntern Assel necken
    Ein Schwamm, ein Moostier, ein Polyp,
    Die dringen lustig durch das Sieb.
    An toten Tieren kommen raus
    Der Hund, die Katze und die Maus;
    Noch nicht gefunden sind, Malheur,
    Der Architekt und Ingenieur!"

Erst im Juli 1890 entschieden Senat und Bürgerschaft den Bau des Filterwerks:

Bau des Filterwerks
Der Bau von 4 großen hochliegenden Ablagerungsbehältern auf der Billwerder Insel und 22 Sandfiltern auf Kaltehofe konnte endlich zur Durchführung gebracht werden. Mit der Fertigstellung wurde 1894 gerechnet.
Während des Baus des Filterwerks brach im Sommer 1892 die schwere Cholera-Epidemie in Hamburg aus. Es wurde einwandfrei nachgewiesen, daß die Seuche durch das unfiltrierte Wasser in der Stadt verbreitet wurde. Durch zügiges Weiterbauen, das durch die Seuche erheblich erschwert wurde, konnte das Werk am 27. Mai 1893, also ein Jahr früher als geplant, mit der Lieferung von filtriertem Elbwasser beginnen.
Einf¸llen des Sandes
Einfüllen des Sandes beim Bau der Anlage
Bald erkannte man die Nachteile dieses Elbwasserwerkes: Im Winter hatte das Wasser eine Temperatur nahe der Null-Grad-Grenze, so daß es in den Haushalten ständig lief, damit es nicht einfror. Im Sommer war es muffig und hatte eine Temperatur von 20 Grad. Außerdem gab es im Winter immer wieder Probleme mit der Vereisung der Wasserschöpfstellen an der Elbe, was die ohnehin schon komplizierte Reinigung beträchtlich erschwerte. Daher setzten um die Jahrhundertwende die ersten Bemühungen ein, das Elbwasser durch Grundwasser zu ersetzen, um das Werk Kaltehofe schließen zu können. Die beiden Weltkriege und die Zunahme des Wasserverbrauchs machten einen Strich durch diese Rechnung.

Bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung im Osten und im Westen verschlechterte sich die Elbwasserqualität in den 50er Jahren auf drastische Weise. Um eine Verbesserung zu erreichen, wurde im Werk Kaltehofe eine Aktivkohlefilteranlage eingebaut. Eine weiterer Schritt war die langfristige Umstellung von Elbwasser auf Grundwasser. Dafür wurden auf der Billwerder Insel und im Raum Moorfleet 50 Flachbrunnen gebaut, die aus 25 m Tiefe das Grundwasser aus dem Urstromtal der Elbe förderten. Seit 1964 lieferte das Werk Kaltehofe nur noch Grundwasser. Die Änderungen auf dem Werksgelände waren für diese Umstellung sehr gering. Der Aufwand für den laufenden Betrieb im Vergleich zu anderen Grundwasserwerken war jedoch enorm, da die Filter mindestens einmal im Jahr gereinigt werden mußten, was eine manuelle Abtragung der 22 Becken erforderlich machte. Deshalb mußten die Loren und Gleisanlagen für die Filterreinigung in Betrieb bleiben.

Ab 1983 wurde die Förderung der Wassermenge langsam zurückgefahren und zum Jahreswechsel 1989/90 endgültig stillgelegt.

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